logo Hofheim Katholisch

Gedanken zum Sonntag Fest der Heiligen Familie - 27.12.20 - Lk 2,22-40

Wir alle haben in unserem Leben schon gewartet. Manchmal genervt, weil Bus oder Bahn zu spät waren. Manchmal sehnsüchtig auf den Urlaub, als Kind auf Weihnachten. Und manchmal zwischen Hoffnung und Angst, vielleicht jetzt auf ein Ende der Corona-Pandemie.

Manches Warten wurde erfüllt, manches endete, aber nicht mit dem, was wir erwartet haben. Und auf manches warten wir unser Leben lang.
Worauf warte ich gerade? Oder schon lange?

Simeon und Hanna warten schon ihr Leben lang. Sie warten auf den von Gott verheißenen Messias, der Israel und alle Menschen erlösen soll.

Es sind nicht nur sie, die gewartet haben. Vor ihnen warteten sicher schon viele Menschen auf den Messias - ist das Versprechen Gottes, dass er kommt schon viel älter.

Ihr Warten ist deswegen sicher nicht einfach. Es wäre leichter, daran zu glauben, dass das mit dem Kommen des Messias noch dauert - vielleicht eher so eine Jenseits-Sache ist. So ein bisschen wie wir es heute mit der Wiederkunft Christi tun. Ja, irgendwann vielleicht. Aber nicht jetzt.

Andere Menschen verstehen ihr Warten vermutlich auch nicht. Und das macht es sicher nicht leichter. Und doch lässt sie etwas Warten. Etwas lässt sie Durchhalten - ihr ganzes Leben lang.

Gott hat ihnen versprochen, dass sie es noch erleben werden, dass der Messias kommt. Sie werden nicht eher sterben. Dieses Versprechen lässt sie weiter leben.

Und dann: taucht vor ihnen diese Familie auf. Ganz normal, wie so viele jeden Tag kommen. Haben sie den Messias so erwartet? Haben sie es sich so ausgemalt? Nicht doch etwas eindrucksvoller?

Und doch erkennen beide in Jesus, den, auf den sie gewartet haben, den Messias. Gott hat ihr Vertrauen auf ihn, ihre Hoffnung nicht enttäuscht.

Auch wenn ich warte, brauche ich eine gute Portion Durchhaltevermögen. Aber was brauche ich, um durchhalten zu können?
Brauche ich Vertrauen in mich, dass ich erreiche, worauf ich warte, oder in andere, dass ich bekomme, was ich erhoffe?
Würde mir ein Versprechen Gottes helfen, so wie Simeon und Hanna?
Oder brauche ich (mehr) Sicherheit?

Und was ist eigentlich, wenn sich eine Hoffnung ganz anders erfüllt, als ich es erwartet hätte?

­