logo Hofheim Katholisch

Gedanken zum Sonntag 07.06.20 - Dreifaltigkeitssonntag

Dreifaltigkeitssonntag...
Für mich vermutlich das Fest mit den meisten Fragezeichen im ganzen Kirchenjahr.
Ich weiß ja gerade mal so, was Dreifaltigkeit bedeutet. Dann kenne ich auch ein paar Erklärungsmodelle dafür, wie man sich das vorstellen könnte. Und natürlich auch immer die Argumente, warum das jeweilige Erklärungsmodell problematisch ist.

Also klar (?) ist irgendwie nur, dass es bei Dreifaltigkeit darum geht, dass Gott ein Wesen in drei Personen ist (wie ich mir das auch immer vorstellen mag); aber warum ich das feiern soll? Keine Ahnung.

Ich weiß warum ich Weihnachten, Ostern oder Pfingsten feiere. Da gibt es Geschichten, an die ich mich erinnere. Da gibt es eine Botschaft für mein Leben - was es dieses Fest mir heute bedeuten kann - was es mir bringt. Auch bei einem Fest wie Fronleichnam, das doch etwas abstrakter ist (Feier der Eucharistie) kann ich sagen: da freue ich mich und sage Danke.

Aber ein Fest feiern, weil Gott dreifaltig ist, also weil er ist wie er eben ist???

Das ist ja ungefähr so wie der Welt-Aids-Tag, der Tag des Wassers oder der Tag der Toilette. Außer dem Welt-Frauen-Tag wird da keiner besonders gefeiert (und dieser Feiertag ist ja durchaus sehr umstritten - und oft auch belächelt). Es sind eben einfach Tage, an denen ich daran denke dass es eine Sache gibt, oder dass es Probleme mit dieser Sache gibt.

Ist der Dreifaltigkeitssonntag also nur da, um mich daran zu erinnern, dass Gott dreifaltig ist? Brauche ich da irgendein Problembewusstsein?

Naja, irgendwie ist es schon wichtig, in Erinnerung zu rufen, dass der Schöpfer der Welt, der menschgewordene Gott Jesus Christus und der Heilige Geist Gottes nicht drei verschiedene Götter sind. Oder dass Jesus und der Geist überhaupt Gott sind. Oder dass es nicht nur Teile Gottes (z.B. sein Atem) sind, die sich irgendwie selbstständig machen.

Und ähnlich wie bei diesen Welt-Irgendwas-Tagen muss ich mir auch eingestehen: so ganz unnütz ist das nicht, mich mal mit dem Thema zu beschäftigen. Auch oder gerade dann, wenn für mich bei dem Thema keine Probleme oder Fragen erkennbar sind. Weil ich vielleicht erst dann, wenn ich mich damit auseinandersetze, bemerke, dass es mich doch betrifft.

Ich werde am Dreifaltigkeitssonntag keine Antwort finden müssen, wie Dreifaltigkeit wirklich ist. Das wird auch gar nicht funktionieren. Ich kann das wahre Wesen Gottes nie voll und ganz erkennen. Er ist immer noch größer, noch mehr, noch anders…

Aber ich kann dieses Fest zum Anlass nehmen mal darüber nachzudenken, wer dieser Gott für mich ist. Dieser Gott der mich geschaffen hat und schützt, der mich in meinem Leben begleitet und weiß, wie es ist ein Mensch zu sein, der in mir lebt und mich bestärkt und begeistert. Ich kann darüber nachdenken und nachspüren, welche Beziehung ich zu und mit Gott habe. Ich kann mich erinnern, wie und wo ich ihm schon begegnet bin, welche Facetten ich schon erfahren durfte. Und ich kann überlegen, wo mein Weg mit Gott hinführen soll, wie ich diese Beziehung zu Gott gestalten will und wie sich das in meinem Leben zeigen kann.

 

­