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Gedanken zum Sonntag 21.11.2020 – Christkönig – Mt 25,31-46

Und schon wieder eine Endgerichtsszene. Langsam wird man da doch wirklich depressiv. Will einem die Leseordnung eigentlich Angst machen. Etwas Nettes, Hoffnungsvolles, das wäre doch jetzt mal gut, auch angesichts der allgemeinen Weltlage.

Nun gut, was ist es diesmal? Nicht mehr, wie in den letzten Wochen, allgemeine Warnungen, dass man aufpassen soll, dass man das Himmelreich nicht verpasst, sondern eine ganz konkrete Liste, was wichtig ist. Na immerhin.

Eigentlich klingt es ganz einfach: Etwas Umverteilung, etwas Wohltätigkeit, und alles ist gut. Und als Extra-Schmankerl tun wir nicht nur den Menschen etwas Gutes, sondern Gott selbst. Dem endzeitlichen König und Richter, der bestimmen wird, wer rein darf – ins Himmelreich.

Und doch bleibt für mich ein Unbehagen. Zum einen, weil ich sehe, dass obwohl diese Werke der Barmherzigkeit eigentlich nicht so schwer sind, sie im Alltag doch untergehen. Wenn nicht irgendwelche Aktionen sind, denke ich nicht ans Spenden, bei den Bettlern in der Fußgängerzone gehe ich sogar demonstrativ vorbei und Krankenbesuche außerhalb meiner Arbeit…?

Zum anderen frage ich mich, ob ein gerechter Richter nicht nach dem Motiv fragen wird, und was, wenn ich dann wirklich nur Gutes tue, um in den Himmel? Ist das dann besonders vorbildhaft oder schlecht, weil eigentlich egoistisch?
Und was ist eigentlich mit dem Glauben? Spielt der gar keine Rolle mehr?

Wir blicken an diesem letzten Sonntag im Kirchenjahr in eine ungewisse Zukunft. Die biblischen Texte geben uns Bilder und Gleichnisse mit auf den Weg, wie das am Ende der Welt und mit dem Himmelreich sein könnte. Könnte.
Sichere Aussagen über diese Zukunft gibt es nicht. Nur Aussagen, die ich glauben kann. Oder eben nicht.

Auch wenn in den Texten des Evangeliums Jesus spricht, so sollte uns doch klar sein, dass die Autoren der Evangelien hier auch ihre Vorstellungen verarbeitet haben. Und es gibt gute Gründe die christliche Botschaft der gegenseitigen Liebe mit Sozialkritik zu konkretisieren. Da kann ich nicht Nein sagen.

Und dennoch, glaube ich, ist das nur ein Aspekt. Eine Glaubensperspektive, die mir nicht reicht. Ich will aber auch die Sicht des heutigen Evangeliums nicht einfach wegstreichen oder hinbiegen, bis es mir passt. Vor allem, weil „einfach“ da gar nichts geht.

Eine Hoffnungsperspektive aber habe ich – und dass ist meine persönliche Perspektive, die ich aus meiner Glaubenserfahrung heraus habe: Ich hoffe, dass dieser Richter und König, vor dem wir einst stehen, nicht einfach auf eine Liste sieht und abhakt, was ich geschafft habe, sondern das dieser Richter und König, der Gott ist, den ich in meinem Leben bisher kennen lernen durfte.
Ein Gott, der auch wenn er allen Grund und alles Recht hätte, mich zu Strafen oder mich fallen zu lassen, es einfach nicht getan hat; der mich lieber gerettet hat, dessen Liebe und Begleitung ich spüren konnte.

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