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Gedanken zum Sonntag 01.11.20 - Allerheiligen

Irgendwie ist gefühlt nicht mehr so ganz klar, wen oder was wir an Allerheiligen feiern. Halloween als Gruselfest ist viel präsenter. Wenn es kirchlich wird, dann geht es um Friedhofsbesuche und Totengedenken, und meine Schüler antworten auf die Frage, was wir jetzt für Ferien haben wahlweise mit „Herbstferien“ oder „wegen Corona.“

Ganz einfach ist das mit Allerheiligen ja auch nicht. Die am Nachmittag stattfindenden Totengedenken, die ja eigentlich zu Allerseelen gehören, sind einfach viel prägender als der eigentliche Festgrund, den aber doch schon der Name verrät: Ein Fest zu Ehren aller Heiliger.

Aber die haben doch schon alle ihre Festtage im Jahreskreis? Was soll das denn?
„Erfunden“ wurde das Fest einst um der Flut der Heiligengedenktage irgendwie Herr zu werden und nicht jeden Tag zig Heilige feiern zu müssen. So kommt man ja aus dem Heiligenfeiern gar nicht mehr heraus. Und gerecht wurde man auch keinem Heiligengedenken.

Für mich ist Allerheiligen aber nicht nur eine Sparmaßnahme, damit ich auch mal wirklich alle Heiligen feiern kann: die „bekannten Größen“, wie den heiligen Martin, die heilige Elisabeth, Barbara, Nikolaus, Johanna von Orleans oder Franz von Assisi, meine Namenspatrone oder die Patrone unserer Kirchen, unseres Bistums oder unseres Landes oder die unbekannteren Heiligen, wie z.B. die heilige Corona, die erst in diesem Jahr ein wenig Bekanntheit erlangte.

Für mich ist Allerheiligen auch das Fest, an dem ich daran erinnert werde, dass wir als Christen alle zur Heiligkeit berufen sind, dass wir durch die Taufe alle Heilige sind, zur Gemeinschaft der Heiligen gehören. Wir können und sollen heilig leben.

Deswegen feiere ich an Allerheiligen auch die vielen nicht heilig gesprochenen Heiligen, die um uns herum leben: die heilige Altenpflegerin und den heiligen Krankenpfleger, die heiligen Supermarktkassierer, Polizisten und Lehrer, unsere heiligen Großmütter und -väter, die heiligen Organisten, Kichenverwaltungsmitglieder und Ministranten.

Heilig - das können wir alle sein.

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