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Gedanken zum Sonntag 09.05.20 – 5. Sonntag der Osterzeit Joh 14,1-12

Wir sind es ja schon gewohnt, dass eine Nachricht die nächste jagt. Breaking News gehören zu unserem Alltag, ebenso andauernde Live-Schalten an irgendwelche „Orte des Geschehens“ - wie viel Sinn die machen weiß man meist nicht so genau. Gerade derzeit überbieten sich die Live-Ticker mit den neuesten Erkenntnissen und Beschlüssen in der Corona-Krise. Wir leben in einer Zeit, in der viele immer alles sofort wollen, auch Information, Wissen und Wahrheit.

Doch gerade die Wahrheit bleibt dabei gerne mal auf der Strecke. Unter der Flut der Meldungen haben Fake News besonders leicht. Auch unbeabsichtigte Fehler schleichen sich ein. Dazu kommt noch, dass auch der Inhalt der Nachrichten oft widersprüchlich und unsicher ist. Am Ende bin ich gezwungen selber zu entscheiden, was hier Wahrheit ist. Und manchmal bleibe ich verwirrt zurück und weiß nicht mehr, was ich glauben soll.

Die Jünger Jesu suchen nach grundlegender Wahrheit und Erkenntnis. Sie suchen nach der Wahrheit für ihren Glauben, der auch ihr ganzes Leben bestimmen wird. Viele Propheten, Prediger und selbsternannte Retter Israels treten auf. Viele religiöse Gruppen konkurrieren um die Vorherrschaft. Immer spielt dabei auch die Besetzung durch die heidnischen Römer eine Rolle. Sie hat nicht nur den Traum eines eigenständigen Israels begraben, sondern gefährdet auch den Glauben an den einen Gott. Und das Judentum, wie es bisher war, beginnt sich zu verändern.

Kein Wunder, dass auch die Anhänger Jesu unsicher auf der Suche nach Klarheit und Wahrheit sind. Jesus sieht diese Unsicherheit. Sein Aufruf: „Lasst euch nicht verwirren!“ lässt die Jünger weiter fragen. Und jede seiner Antworten provoziert neue Fragen, dabei sagt er doch er sei die Wahrheit?!
Verwirrt Jesus die Jünger nicht einfach nur immer mehr? Macht er es besser als die anderen Anbieter von Wahrheiten?

Das Hinterfragen der Aussagen Jesu, die so provokant gestellt sind, führt aber nicht ins Leere. Vielmehr steht Jesus Rede und Antwort und offenbart sich und seine Botschaft immer intensiver und genauer, er nennt sogar Beweise – seine Zeichen und Taten.
Er steht Rede und Antwort so gut er es in diesem Moment kann: denn manches wird erst nach seinem Tod und seiner Auferstehung Sinn ergeben. Manches können die Jünger einfach noch nicht erkennen.
Und bei manchen Aussagen müssen wir bis heute mit Unsicherheiten leben.

Wenn Jesus von der Zukunft bei Gott spricht, können wir keine Wahrheit aus Erfahrung oder Erkenntnis ableiten. Noch nicht. Jetzt könne wir das (nur) glauben.

Und doch kann Jesu Verhalten zeigen, wie man mit der verwirrenden Zahl von Nachrichten und Aussagen umgehen kann: Fragen stellen, Antworten hören und wieder fragen. Wahrheit kann Rede und Antwort stehen und tut das immer wieder.

Oft kann ich aber erst im Rückblick sagen, was wahr war und was nicht. Vor allem, wenn mir Informationen und Erfahrungen fehlen, kann ich das jetzt noch nicht bewerten. Dann muss ich selbst entscheiden, was ich als plausibel erachte, was ich glaube, oder auch, ob ich sagen will: „Ich weiß es (noch) nicht.“

In jedem Fall treffe ich eine Entscheidung, meine Entscheidung, und trage damit auch selbst die Verantwortung für Konsequenzen. Ich kann das letztendlich nicht auf andere abwälzen.
Jesus kommt es genau auf diesen verantworteten Glauben an. Er ist wichtig. Ich muss mich entscheiden, an ihn zu glauben, nur dann kann ich ihm nachfolgen, nur dann kann ich auch (er)tragen, was diese Nachfolge meint.

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