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Gedanken zum Sonntag 31.05.20 - Pfingsten

Was bleibt?
Das habe ich vor zwei Wochen gefragt.
Was bleibt von Jesus bei seinen Jüngern? Jetzt, wo er weg ist.

Hatten sie gehofft, dass er bei ihnen bleibt, dass es so wird wie früher? Hatten sie gedacht, dass er ihnen sagt, was sie tun müssen, dass er ihnen Kräfte gibt, wie er sie hatte? Oder hatten sie erwartet, dass jetzt das Ende der Zeiten sofort kommen würde, das Reich Gottes anbrechen würde, dass wenigstens die Herrschaft der Römer enden würde?

Doch stattdessen ist Jesus einfach wieder weg. Die Jünger warten weiter. Zehn Tage warten sie. Es ist wieder ein Fest in Jerusalem: Schavuot - 50 Tage nach dem Pascha-Fest. Aber die Jünger feiern nicht. Wieder sind viele Menschen in Jerusalem. Und wieder sitzen die Jünger wieder zusammen im Haus, hinter verschlossenen Türen.

Vielleicht fragen sie sich schon, wie lange sie werden warten müssen, bis Jesus wieder kommt, oder wenigstens sein versprochener Beistand. Vielleicht fragen sie sich, wie es weitergehen soll. Vielleicht fragen sie sich, was jetzt bleibt von Jesus und all ihren Erfahrungen. Und vielleicht verzweifeln sie daran, dass doch wieder alles ist wie zuvor. Die Normalität - jedenfalls für die anderen - ist wieder da. Wird Jesus bald vergessen sein? Was bleibt?

Es bleibt nicht etwas

Es kommt.

Ein Brausen, ein Tosen.
Sturm? Feuer? Ein Schwarm Vögel?

Ich weiß nicht, was die Jünger in diesem Moment fühlten: Panik? Verwirrung? Staunen? Hatten sie überhaupt Zeit, etwas zu fühlen oder darüber nachzudenken?

Plötzlich ist alles anders als zuvor. Plötzlich ist klar, was zu tun ist. Plötzlich ist da Kraft in ihnen, Mut, Zuversicht, Hoffnung, Glauben. Plötzlich ist Gott ihnen ganz nah. Bei ihnen. In ihnen. Sein Geist erfüllt sie ganz. Erfüllt ihre Herzen, ihre Gedanken, ihr Sprechen, begeistert sie, lässt ihre Herzen überfließen. Es drängt sie. Nach außen.

Ihre Erfahrungen können sie nicht mehr für sich behalten. Endlich, endlich bringt ihre Zeit mit Jesus in ihrem Leben Frucht. Endlich können sie darüber sprechen, was ihnen passiert ist, endlich können sie allen davon erzählen. Endlich haben sie den Mut, aufzubrechen, zu reden und zu handeln.

Aber Gottes Geist berührt nicht nur die Jünger Jesu. Auch die anderen Menschen in Jerusalem bemerken: Hier ist etwas Besonderes geschehen. Sie hören diesen begeisterten Menschen zu. Und plötzlich trifft auch sie die Begeisterung mitten ins Herz.

Gottes Geist überwindet alle Grenzen: zwischen Völkern, Kulturen und Sprachen. Alle Menschen können die Botschaft der Liebe Gottes verstehen. Alle Menschen hören von Gottes großen Taten und seiner Herrlichkeit. Alle Menschen können die Botschaft annehmen.

Der Geist Gottes wirkt nicht nur einmal, damals in Jerusalem. Er wirkt weiter: in der Welt, in den Jüngern, in Christinnen und Christen - bis heute - in uns. Wir können das spüren: wenn wir begeistert sind, wenn wir neue Kraft schöpfen, wenn wir durchhalten, wenn wir mutig werden, wenn wir Ideen haben und Lösungen finden, wenn wir unseren Glauben zur Sprache bringen, und wenn wir in unseren Worten und Taten zeigen, dass Gott uns liebt.

Gott schenkt auch uns seinen Heiligen Geist. Er lebt in uns. Wir haben etwas von Gott in uns. Das heißt aber auch: Gott will nicht, dass er bestimmt und wir gehorchen. Er wird nicht sein Reich errichten und wir sehen zu. Gott will, dass wir mitmachen. Letztendlich, dass wir handeln wie er in Jesus Christus gehandelt hat. Und das heißt vor allem: zu lieben.

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