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Gedanken zum Sonntag – 31.01.21 – 4. Sonntag im Jahreskreis – Dtn 18,15-20

Mose

Mose ist am Ende seines Lebens angekommen. Er weiß, dass sein weiter Weg aus Ägypten bald ein Ende hat. Er weiß, dass es nicht das ersehnte Ende im verheißenen Land sein wird. Er wird das Land sehen dürfen, aber nie betreten.

Wie so viele andere, die mit ihm aus Ägypten zogen. Denn sie haben sich gegen Gott aufgelehnt und sich von ihm abgewandt, obwohl sie es hätten besser wissen müssen. Obwohl er es hätte besser wissen müssen.

Die neue Generation wird ohne ihn auskommen müssen. Er hat mit Josua einen guten Anführer gewählt, um ins verheißene Land zu ziehen, um Schlachten zu schlagen, um Bündnisse zu schmieden, um sich im Land anzusiedeln. Doch wird das reichen, damit das Volk Israel auf dem rechten Weg bleibt?

Mose hält seine letzte Rede. Alles, was er für wichtig erachtet schärft er dem Volk Israel ein. Vor allem den Gehorsam gegenüber, die Treue zu Gott. Die zehn Gebote, die Gott ihnen am Sinai gab. Den Bund, den sie mit Gott am Sinai schlossen. Gott soll der einzige für sie sein, den sie anbeten. Ihn sollen sie mit ganzem Herzen lieben.

Aber Mose kennt sie auch, die Israeliten. Und er ahnt, dass sie sich wie ihre Eltern und Großeltern, schwer tun werden, mit dem Halten der Gebote. Jemand muss ihnen sagen, was sie tun und vor allem was sie lassen sollen. Jemand muss mit Gott kommunizieren, weil sich die Israeliten davor fürchten. Es braucht wieder einen Propheten wie ihn.

Auch Gott kennt sein Volk Israel, sogar besser als Mose es tut. Und so verspricht Gott durch Mose, dass es wieder einen Propheten geben wird in Israel. Und es gibt sie die Propheten, die seine Botschaften an das Volk überbringen, die sich der Kommunikation und der Begegnung mit ihm aussetzen werden, wie erschreckend diese sein mag.

Das, was das Volk Israel sich wünschte, Kommunikation mit Gott, gab es – der mal mehr, mal weniger zugehört wurde. Propheten mahnten, Gottes Gebote zu halten; sie kritisierten Missstände, soziale Ungerechtigkeit und verbrecherisches Handeln; sie prangerten sogar die religiösen und politischen Führer Israels an; und letztendlich verkündeten sie Gottes Strafandrohungen und Heilszusagen.

Doch einen Propheten, der so vertraut wie Mose mit Gott sprach und so eine hervorgehobene Aufgabe hatte, der eine Gründerfigur für das Volk Israel und seine Religion war, gab es nicht mehr. Der „Prophet wie Mose“ wird gedeutet als Hinweis auf den Messias.

In den Evangelien wird die Stelle aus der Abschiedsrede des Mose auf Jesus Christus gedeutet und übertroffen, denn in ihm realisiert sich mehr Nähe zu Gott, mehr Kommunikation mit Gott als ein Prophet, selbst einer wie Mose je vermochte. In Jesus Christus spricht Gott direkt mit den Menschen, ohne dass sie sich fürchten müssen.

Egal, wie Mose damals Gottes Ankündigung verstand. Für ihn ist es wichtig, dem Volk jetzt eine Perspektive zu geben; ihm zu sagen, dass Gott es nicht allein lässt, sondern ihm Möglichkeiten der Kommunikation mit ihm verspricht, Möglichkeiten um zu erfahren, was Gott will. Mose will dem Volk die Angst nehmen: auch wenn er nicht mehr da sein wird, Israels Weg mit Gott wird weitergehen, Gottes Wort wird sie auch in Zukunft erreichen und begleiten.

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