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Gedanken zum Sonntag 28.06.20 - 13. Sonntag im Jahreskreis - Mt 10,37-42

Jesu Worte im heutigen Evangelium klingen sehr hart: „Wer Vater oder Mutter, Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert.“ Was soll denn das? Ist das Eifersucht? Jesus selbst mag doch die Frage auch nicht: Wen liebst du am meisten? Und hier will er, dass ich ihn am meisten liebe? - Als könnte ich das so einfach bestimmen, wen ich am meisten liebe. Als ließe sich Liebe zur Familie und zu Gott überhaupt vergleichen.

Und dann muss ich an die Szenen denken, in denen Jesus verlangt, dass die, die ihm nachfolgen, ihre Familie verlassen, in denen er seine leibliche Familie von sich weißt, in denen er seine Jünger als seine wahre Familie bezeichnet. Heißt das also, ich muss mich von allen meinen sozialen Bindungen lösen, wenn ich Jesus nachfolgen will?

Oder muss ich das nur, wenn sie nicht auch Jesus nachfolgen? Dann wären diese Aussagen Jesu ein Produkt der damaligen Zeit, wo ihm nachfolgen eben einen Bruch mit der Familie bedeuten konnte, die an ihrer alten Religion festhielt. Unvereinbar mit dem Christentum.

Aber vielleicht interpretiere ich auch schon zu viel in diese Worte Jesu hinein. Hier steht ja erstmal wirklich gar nichts von: Verlasse deine Familie! Liebe sie nicht! Das denke ich vielleicht nur, weil ich an die anderen Geschichten denke, an die zölibatären Lebensform, die schon früh so hochgehalten wird, aber eben nie die einzige Möglichkeit darstellt Jesu nachzufolgen.

Die Aussage Jesu hier sagt mir eigentlich nur, dass bei ihm eine klare Priorität liegen soll, wenn ich ihm nachfolgen will. Wenn ich an Jesus Christus und seine Botschaft glauben und danach leben will, dann soll mich weder die Liebe zu meinen Familienmitgliedern noch eventuelle Verpflichtungen ihnen gegenüber binden. Bei meinem Glauben soll ich auf sie keine Rücksicht nehmen. Übrigens etwas, was in Deutschland auch gesetzlich vorgesehen ist: mit 7 Jahren muss ein Kind gehört werden, wie es religiös leben will, mit 14 Jahren darf man ganz allein über seine Religion(szugehörigkeit) entscheiden. Wo darf ich sonst in diesen Altersstufen frei entscheiden?

Auch heute noch kann eine Entscheidung zu einer Religion gegen den Willen der Familie passieren. Das kann immer noch dazu führen, dass man mit der Familie bricht. Auch Freundschaften können zerbrechen, das Ansehen in der Gesellschaft kann schwinden, auch trotz aller Religionsfreiheit ist religiös zu sein, seinen Glauben öffentlich zu zeigen, nicht immer leicht.

Vielleicht klingen Jesu Worte für mich deshalb so hart, weil ich zum Glück nicht in dieser Situation bin, dass meine Familie gegen meinen Glauben steht.

Könnte es Situationen oder Menschen geben, die mich von meinem Glauben abbringen würden? Nicht aus Angst, sondern aus Liebe? Habe ich vielleicht sogar schon in solchen Situationen entschieden? Wie würde ich handeln, wenn ich mich entscheiden müsste?

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