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Gedanken zum Sonntag 27.09.20 - 26. Sonntag im Jahreskreis - Phil 2,1-11

Der Philipperhymnus ist vermutlich eines der ältesten christlichen Glaubenszeugnisse. Er zeichnet die Bewegung Christi nach vom Göttlichen zum Menschlichen bis in den Tod und dann zur Erhöhung und wieder hin zum Göttlichen.

Paulus setzt den Philipperhymnus nach einem Aufruf, wie wir als Christen leben sollen. Und beim ersten drüber lesen dachte ich verwundert und ärgerlich: Ist das schon wieder ein Aufruf zu Martyrium, Selbstaufgabe, immer danach bestrebt sein für andere zu sterben?

Ja, ich kann Paulus Worte so lesen: als guter Christ, opferst du alles für die Sache. Vor allem, das was du selbst für dich willst. Die anderen Christen, die christliche Gemeinschaft ist viel wichtiger. Aber das klingt für mich sehr bedenklich. Nicht wie eine Religionsgemeinschaft, in der jedes Leben wertvoll ist, also auch meins. Jesu Aussage ist doch auch: „Liebe deinen nächsten wie dich selbst.“ Und nicht: dich selbst möglichst nicht.

Wenn ich Paulus genau lese, verlangt er auch gar nicht, dass ich Jesu Entäußerung völlig nachvollziehen muss. Das ist etwas, das wir, glaube ich, auch gar nicht können, denn wir sind nun einmal Menschen und nicht Gott; so einen großen, grenzüberschreitenden Schritt können wir gar nicht tun. Ich glaube, wir können getrost ein paar Nummern kleiner handeln.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Paulus seine „Ermahnung“ schreibt, als er sieht, dass es in den christlichen Gemeinden menschelt. Streitigkeiten, Überheblichkeit, Diskriminierung - sicher alles gerne unter der Prämisse: „Ich bin der bessere Christ. Ich tue besser als du, was Jesus will. Und deswegen bin ich jetzt auch der, der zuerst kommt - oder der, der das Sagen hat.“

Und dagegen hält Paulus: Erinnert euch, wie Jesus Christus wirklich war. Orientiert euch an seiner Haltung, an seinen Taten. Und erweist euch der unglaublichen Gnade Gottes an euch so als würdig. Jesus hat sich klein gemacht, erniedrigt bis in den Tod. Für euch würde es schon gut sein, wenn ihr die anderen besser einschätzt als euch - wenn ihr das Gute in ihnen seht, ihre Stärken. Glaubt nicht, dass ihr etwas besseres seid.

Paulus sagt nicht, dass ich nichts gelten soll. Ich kann durchaus eine hohe Meinung von mir haben, aber ich sollte sie auch von anderen Menschen haben.

Lord I lift your name on high

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