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Gedanken zum Sonntag 25.07.20 - 17. Sonntag im Jahreskreis - Mt 13,44-52

Ich backe wirklich gerne - in der Adventszeit manchmal auch etwas viel - und habe im Laufe der Jahre doch einige Backbücher angesammelt und damit eine Vielzahl von Rezepten. Von Keksen bis zur fünfstöckigen Hochzeitstorte (inklusive Anleitungen für Verzierungen) ist alles dabei. Ich probiere auch gerne etwas Neues aus - und in der Zwischenzeit bastele ich auch an eigenen Rezepten.

Und doch habe ich eine gewisse Auswahl von Best-Of Rezepten. Das, was ich backe, wenn ich etwas zu einer Feier mitbringe, wenn ich etwas verschenke, wenn ich auf Nummer sicher gehen will, wenn ich mich an die vielen Male erinnern will, an denen es diesen Kuchen, dieses Gebäck schon gab. Rezepte, die ich fast schon auswendig kann. Rezepte, die einfach gut sind.

Darunter sind Rezepte aus einem Backbuch, das in unserer Familie viele besitzen - ich habe das Exemplar, das ich als Kind aus Versehen etwas zerrupft habe; darunter sind erstaunlich viele Rezepte auf kleinen Zetteln, auf denen nur Mengenangaben und Backtemperaturen stehen, zum Teil abgeschrieben aus dem Kochbuch meiner Großmutter, das ich wegen der alten Handschrift erstmal entziffern musste.

Darunter sind aber auch neuere Rezepte, die ich ausprobiert und für gut befunden habe, Varianten des Gebäcks meiner Familie, weil es manche Zutaten heute gar nicht mehr gibt. Und darunter sind auch neue Trends - wie Tassenkuchen für die Mikrowelle, die einfach unglaublich praktisch sind und die ich immer wieder neu abwandeln kann.

Mein Backschatz braucht genau diese Mischung aus alt und neu, Bewährtem und Experimenten, so habe ich für jede Situation Rezepte parat. Ohne die Rezepte, die schon Familientradition sind würde etwas fehlen, aber ohne die neuen Rezepte würde ich vielleicht etwas verpassen. Und manches neue Rezept wird ganz schnell Tradition.

Das Himmelreich ist wie ein Schatz. Er ist so wertvoll und besonders, dass es sich für ihn lohnt alles andere wegzugeben. Etwas ganz Neues also? Neuanfang mit dem Himmelreich? Muss ich also alles aufgeben? Auch was mir im Glauben wichtig war? Das Neue annehmen und das alte vergessen?

Die Schriftgelehrten treten Jesus oft kritisch entgegen, gerade weil er die Tradition, das Alte in Frage stellt. Aber anscheinend gibt es auch einige, die sich Jesus anschließen, die für das Himmelreich ihr altes Leben aufgeben.

Doch wenn sie die Schatzkiste des Himmelreiches öffnen werden sie nicht nur Neues herausholen, sondern auch Altbekanntes. Traditionen, die ihnen wichtig waren. Das Himmelreich bricht gar nicht völlig mit Altem, bricht nicht mit dem bisherigen Glauben Israels.

Aber vielleicht ist es ein bisschen wie bei meiner Rezeptsammlung: es wird halt ein Best-Of des Alten, vermischt mit dem Neuen. Wenn ich mir unsere Religion ansehe, die an das Reich Gottes glaubt, das Christentum, dann kann ich das auch erkennen: Altes und Neues. Schon in seinen Anfängen und bis heute.

Altes und Neues zu verbinden war nie leicht. Immer wieder gab und gibt es auch regelrechte Kämpfe darum, wie viel Tradition bleiben und wie viel Neues sein darf oder muss. Ich habe dabei immer wieder das Gefühl, dass es dann nur noch die Auswahl zwischen „alles alt“ und „alles neu“ gibt.

Aber wir brauchen doch beides: alte Traditionen, die uns wie die Weihnachtsplätzchen nach Omas Rezept, Sicherheit, Verbundenheit miteinander und schöne Erinnerungen schenken. Und neue Ideen: Erneuerung von Altem, das heute nicht mehr funktioniert; offene Experimente, die uns neue Welten erschließen und neue Erkenntnisse schenken und umsetzen; das Ausprobieren von Trends, das Kreativität und Ehrgeiz weckt, das Neue zu meistern.

Ja, es kann sein, dass Rezepte aus meinem Best-Of aussortiert werden, aber meist braucht es dafür einen guten Grund und oft ist das eine bessere Variante. Es kann auch sein, dass sich etwas aus der Schatztruhe des Glaubens nicht (mehr) als Schatz erweist und dann muss es da raus. Das kann auch Angst machen und ich probiere nichts Neues.

Aber wenn ich nie etwas Neues probiere, dann entdecke ich auch keine neuen Best-Of-Rezepte. Und wie schade wäre das.

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