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Gedanken zum Sonntag 24.05.20 - 7. Sonntag der Osterzeit - Apg 1,12-14

Eigentlich haben sie gesehen: Jesus, der tot war, lebt. Eigentlich.
Eigentlich haben sie gehört: Jesus ist auferstanden. Er hat den Tod besiegt. Eigentlich.
Eigentlich haben sie es erlebt: wirklich erlebt. Es war kein Traum. Eigentlich.

Eigentlich müssten sie jetzt allen davon erzählen, was sie gesehen, gehört, erlebt haben. Eigentlich.
Eigentlich müssten sie so handeln wie es Jesus ihnen gezeigt hat: sich um Arme, Schwache, Kranke kümmern. Eigentlich.
Eigentlich müssten sie fröhlich sein, ohne Angst leben, vergeben und lieben, selbst ihre Feinde. Eigentlich.

Aber …
… statt Osterfreude herrscht plötzlich wieder Karsamstagsstimmung.

Wie nach Jesu Tod versammeln sich die Jünger wieder in einem Raum und schließen sich ein. Sie haben wieder Angst vor ihren Feinden. Sie wissen wieder nicht, wie es weitergehen soll. Auf wen oder was sollen sie jetzt hören? Wieder ist Jesus fort. Wieder Schock und Trauer.

Ein bisschen anders ist es aber schon: denn immerhin haben sie jetzt Hoffnung. Darauf, dass Jesus wiederkommt, dass sie ihn nicht für immer verloren haben. Also warten sie. Sie wissen nicht, wie lange sie werden warten müssen. Sie wissen ja nicht einmal ganz genau worauf: auf seinen Beistand oder gleich auf seine Wiederkunft?

Irgendwie wird es doch weitergehen? Oder?

Aus dieser Hoffnung heraus, beginnen sie zu beten. Für mehr reicht es (noch) nicht, aber es ist immerhin nicht Nichts.

Ich frage mich schon, wie lange die Jünger das eigentlich durchgezogen hätten, dazusitzen und zu warten, einmütig im Gebet. Ewig vermutlich nicht. Es gibt ja diesen Vorstoß - noch vor Pfingsten - wieder irgendwie etwas zu tun: aber was machen sie? Eine Runde lästern über Judas und gruseln über seinen Tod - ersparen wir uns diese Splatter-Szene. Und dann wird ein Nachfolger für Judas gewählt, damit wieder schön alles so ist wie zuvor. - Ja … yippie?

Und dann geht es los oder? Mit Verkünden und so …?

Nein, es geht zurück zum Gebet. Ich werde fast ein bisschen ungeduldig mit diesen Jüngern.
Dabei …
Ein bisschen unfair ist das schon: schließlich weiß ich ja wie die Geschichte ausgeht. Da kann ich leicht sagen: stellt euch nicht so an. Ihr müsst doch nur… Denn ich weiß ja, was sie müssen. Sie aber nicht.

Und wenn ich ganz ehrlich bin: vielleicht würde ich gerade, weil ich weiß, wie die Geschichte ausgeht, erst recht dort oben sitzen bleiben. Aus Angst oder weil es so anstrengend werden wird.
Ich kenne das doch gut genug: eigentlich müsste ich … eigentlich müsste man … ja so viele Dinge: von Klimaschutz, über Abnehmen, bis hin zu mal wieder was spenden…

Und wenn ich keinen Plan habe, bleibe ich doch erst recht sitzen. Viel zu gefährlich, so ohne Plan. Und viel zu ineffizient. Aber manchmal hat die aktuelle Situation einfach keinen Plan bereit.
Ich kann dann etwas tun und ausprobieren, was funktionieren könnte. Dafür brauche ich aber ganz schön viel Mut und es bleibt ein hohes Risiko.

Ja, manchmal hilft dann vielleicht wirklich nur warten und beten. Beten, dass da jemand kommt, der mir sagen kann, wie es weitergeht, was ich tun kann/soll/muss. Und der mir am besten noch Mut macht, das dann auch umzusetzen.

Gut, dass ich weiß, wie die Geschichte mit den Jüngern ausgeht. Da weiß ich nämlich wen, an den ich mich in solchen Situationen wenden kann. Jetzt zwischen Himmelfahrt und Pfingsten ganz besonders...

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