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Gedanken zum Sonntag 23.08.20 - 21. Sonntag im Jahreskreis - Röm 11,33-36

Was für ein seltsames Thema für einen Lobpreis, das Paulus da wählt: die Unergründlichkeit Gottes.

Mir fallen ja viele Dinge ein für die ich Gott preisen könnte, aber ich glaube ich wäre nicht auf die Idee gekommen zu sagen: Die Wege des Herrn sind unergründlich, lasst uns ihn deswegen preisen. Ich verbinde diesen Satz eher damit, dass er als Erklärung dient für im besten Fall die seltsamen und unverständlichen Dinge im Leben, im schlechten Fall für Leid und Tod. Also eigentlich nichts, wofür man Gott preisen würde.

Aber eigentlich ist die Sichtweise ziemlich unfair. Um ehrlich zu sein, sind ja auch Gottes gute Taten ziemlich unergründlich und unverständlich. Vor allem, dass er immer noch zu uns Menschen hält, bei dem was wir alles so tun. Da kann ich ganz schön froh sein, dass Gott andere, unverständliche Maßstäbe setzt.

Aber es ist ja gar nicht so ungewöhnlich, dass wir jemanden und seine Entscheidungen nicht ergründen können. Wer kann schon in andere hineinschauen? Wer weiß wirklich, warum jemand anderes so handelt wie er handelt? Wir können doch keine Gedanken lesen.

Und manchmal weiß ich ja sogar selbst nicht, warum ich etwas getan habe: „Was habe ich mir dabei nur gedacht?“ Vielleicht nur an mich, vielleicht auch überhaupt nicht...

Oft macht es Unergründlichkeit aber gerade erst spannend: sonst gäbe es keine Überraschungen, keine unerwarteten Geschenke, und ein großer Teil dessen, was für uns unterhaltsam ist, würde nicht funktionieren. Wie sehr können wir doch über Missverständnisse (vor allem anderer) lachen, wie gut funktionieren Geschichten, in denen Personen versuchen ihre falschen Identitäten aufrecht zu erhalten.

In einem der beliebtesten Genres, dem Krimi, ist Unergründlichkeit ja unbedingt notwendig, damit es spannend wird. Nicht nur auf Seiten des Täters, sondern auch auf Seiten des Detektivs. Sherlock Holmes oder Hercule Poirot wären nur halb so cool, ihre Geschichten viel weniger spannend, wenn ich als Leser immer wüsste, was sie gerade schlussfolgern und warum sie etwas tun. Für ihre Sidekicks, wie Dr. Watson, manchmal sehr ärgerlich, aber ich als Leser weiß: Es wird schon Sinn ergeben und am Ende erklären sie mir dann die Pointe.

Ich glaube, Paulus lobt Gottes Wege und Entscheidungen deswegen, weil sie nicht unergründlich sind, weil er sich nichts dabei gedacht hat, sondern weil er sogar mit solcher Erkenntnis und Weisheit entscheidet, dass sie unser Denken überschreitet und mehr in den Blick nimmt, als wir erkennen können. Er preist sie, weil Gottes Weisheit vollkommen ist.

Und ich muss dabei bedenken: Gott ist Liebe, Gott ist gut, Gott will diese Schöpfung und uns erhalten. Dann kann ich darauf vertrauen, dass Gottes Entscheidungen, auch wenn ich sie nicht verstehe, nicht nur Sinn ergeben werden, sondern auch zur besten Lösung führen.

Und, wer weiß, vielleicht erklärt er mir ja mal, wie ein Detektiv, die Pointen...

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