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Gedanken zum Sonntag 19.04.20 – Weißer Sonntag

Nur zu glauben, was man selbst sieht oder wahrnimmt, Fakten zu sammeln und zu überprüfen und nicht jeder Aussage – auch von Freunden – zu vertrauen, ist eine wichtige Sache. Gerade in Zeiten, in denen viele Menschen gerne „alternative Fakten“ (also Lügen) verbreiten und doch selbst andere Aussagen als „Fakenews“ betiteln, wird es schwierig, etwas zu glauben, das man nicht selbst erlebt hat.

Je extremer eine Nachricht ausfällt, desto schwerer ist sie zu akzeptieren. Das gilt sowohl für das Schlechte, das wir nicht wahrhaben wollen, als auch für das, was „zu schön ist, um wahr zu sein“.

Erst einmal skeptisch zu bleiben und nach Beweisen zu suchen, die wenigstens die Wahrscheinlichkeit einer Sache erhöhen, ist ja auch ein guter Schutz vor Enttäuschungen und Betrug, den man erlebt. Und man lernt im Laufe seines Lebens auch gut zu unterscheiden, was man guten Gewissens glauben kann und wo man lieber vorsichtig ist.

Aber wie ist das bei Dingen, die ich nie beweisen kann? Bei denen ich nicht einmal eine gewisse Wahrscheinlichkeit herbeiführen kann?
Wie ist es mit dem, was wir als „Glaube“ bezeichnen? Dem religiösen Glauben? Gar nicht so einfach…

Thomas, ein Jünger Jesu, hat ja schon einiges gesehen und erlebt mit diesem Jesus: Krankenheilungen und Totenerweckungen, Gänge übers Wasser, ein grandioser Einzug in Jerusalem, aber auch seinen Tod. Anscheinend war alles davor…? Ja was…? Zu schön, um wahr zu sein?
Auf jeden Fall ist für Thomas die Botschaft der anderen Jünger zu schön um wahr zu sein. Er glaubt sie nicht. Auferstanden? Glaube ich erst, wenn ich ihn sehe!
Und dabei hatte Thomas ja schon miterlebt, dass jemand aufersteht.
Ganz schön blöd, oder?

Hätte ich es geglaubt?
Hätte ich an Halluzinationen geglaubt, an dreiste Lügen, an einen Trick, daran, dass er gar nicht gestorben war?

Thomas darf sehen und fühlen. Alle Geschehnisse waren echt. Nicht nur die Auferstehung, auch die Kreuzigung. Da sind ja die Wunden. Thomas kann glauben, weil er sieht.

Schon bemerkenswert genug: denn bei manchen Dingen, will ich ja auch meinen eigenen Augen nicht trauen, will ich nachforschen, wie das sein kann. Und diese Antwort bekommt ja Thomas nicht.

Umso bemerkenswerter sind für Jesus alle, die glauben, obwohl sie ihn nicht einmal sehen können. Die nur davon hören, dass er auferstanden ist. Dieser Glaube macht selig.

Diese Menschen, die nicht sehen und doch glauben, sind ganz schön viele geworden. Heute etwa 1 Milliarde Menschen auf der ganzen Welt, die an Jesus Christus glauben. Und ich gehöre dazu.

Einfacher ist dieser Glaube seit damals nicht gerade geworden. Beweise habe ich nicht. Ich kann ja schon froh sein, dass die Existenz des Menschen Jesus einigermaßen wahrscheinlich ist. Aber der ganze Rest?
Wie damals, ganz am Anfang, muss ich meinen Glauben immer wieder verteidigen. Nicht immer wird akzeptiert, dass mein Glaube für mich real und wirklich ist.

Und nur, weil ich jetzt sage, dass ich an Jesus und die Auferstehung glaube, heißt das ja nicht, dass ich nicht auch zweifle. Ich muss immer wieder neu meine Antwort finden: glaube ich das (noch)?

Das Spannende dabei ist, dass ich, je mehr ich mit meinem Glauben lebe, immer wieder Neues entdecke. Ich sehe und erlebe eben doch auch Dinge, vielleicht nicht mehr so direkt wie Thomas, aber eben eindrücklich genug, dass sie meinen Glauben verändern. Sowohl positiv wie negativ. In Geburt und Tod, in Krankheit und Gesundheit, in den Momenten, wo etwas gerade nochmal gut geht oder wenn mir in anderen Glauben begegnet,…

Thomas Glaube entwickelte sich. Vom Glauben an den Menschen Jesus hin zum Glauben an den Auferstandenen. Er musste etwas erfahren, etwas sehen.
Ganz ohne diese Erfahrungen komme auch ich nicht aus. Muss ich zum Glück auch nicht. Und das Schönste daran ist: wenn ich andere Menschen frage, wie das bei ihnen ist, dann sehe ich, die anscheinend auch nicht – selbst wenn wir mal etwas länger danach suchen und darauf warten müssen als Thomas.

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