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Gedanken zum Sonntag 14.06.20 – 11. Sonntag im Jahreskreis - Röm 5,6-11

Wenn jemand gemein zu mir ist, wenn jemand böse Dinge tut, die mir anderen, der Welt schaden, wenn sich jemand so verhält, dass ich davon abgestoßen werde, es allem entgegensteht, was ich gut und richtig und wichtig zu beachten finde, wenn sich jemand so verhält, wie werde ich zu dem stehen? Ich will nichts mit dem zu tun haben, oder ich will ihn verletzen, anschreien, bestrafen, oder ihn vor anderen bloßstellen, sollen die ihn bestrafen.

Auf jeden Fall, werde ich mich nicht um sein Leben sorgen, oder ihn gar retten, erst recht nicht, wenn ich mich dabei in Gefahr begebe.

Warum macht dann Gott das eigentlich? Uns retten, uns helfen, in den Tod für uns gehen?

Dabei kennt er uns doch. Er weiß, dass wir nicht immer die Guten sind. Eigentlich muss er auch gewusst haben, dass sich das mit Jesu Tod und Auferstehung auch nicht einfach so ändern wird. Es gibt zwar immer wieder gute Menschen, die sich auch selbst für andere aufopfern, aber so in der Gesamtsumme der Menschheit…?

Ich würde mir da ja selbst kein super Zeugnis ausstellen, auch wenn ich mich zu den „Guten“ zähle. Aber ich bin genauso daran beteiligt, dass andere Menschen ausgebeutet werden, indem ich billige Kleidung kaufe, ich trage zum Klimawandel bei, ich streite mich mit anderen, ich urteile über andere von oben herab und bilde mir auch gerne allerhand auf mich und meine Fähigkeiten ein. Alles vielleicht nicht besonders schlimm, möchte ich gerne sagen, menschlich eben, was kann ich da groß tun? Und doch ist da noch viel Luft nach oben zu gut und gerecht…

Und was ist mit den Menschen, die so richtig „böse“ sind? Die haben es doch erst recht nicht verdient, dass Gott für sie da ist und sie sogar rettet, indem er stirbt?

Verdient hat sich hier kein Mensch etwas. Gott hat seine rettende Tat einfach gesetzt – für alle.

Ja, auch für die, die ich als „böse“ bezeichne. Ob sie das für Gott sind? Egal. Denn er hat seine Rettung erst einmal allen zugedacht.

Warum? Aus Liebe?

Ich weiß ja nicht mal, ob ich für Menschen, die ich liebe soweit gehen würde, zu sterben. Nicht mal, wie viel Gefahr ich auf mich nehmen würde. Und wenn ich wüsste, dass sie mich nicht lieben, mich sogar hassen und wollen dass ich sterbe?

Wie schön ich es finde, dass Gott uns alle rettet, nachvollziehen kann ich es nicht wirklich: „Du bist eben Gott.“ habe ich beim nachdenken über diesen Text zu Gott gesagt. Vielleicht so ein bisschen mit dem Gedanken: „Da hast du es leichter als ich Mensch.“

Aber es stimmt: Gott ist Gott. Ich kann wirklich nicht verstehen, warum er handelt, wie er handelt. Nie. Überraschenderweise zeigt sich diese Unbegreiflichkeit, diese Art der Göttlichkeit genau am Tiefpunkt des menschlichen Lebens Jesu Christi: im Tod am Kreuz für uns.

Sein Geschenk der Liebe ohne Gegenleistung, ohne dass es jemand verdient hätte, ohne jede menschliche Logik, ohne Erklärung für uns: Warum?

Unfassbare Liebe.

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