logo Hofheim Katholisch

Gedanken zum Sonntag – 14.02.21 – 6. Sonntag im Jahreskreis – Mk 1,40-45

Wer heute am Faschingssonntag etwas Lustiges lesen möchte oder am Valentinstag lieber etwas Romantisches, den muss ich leider enttäuschen. Für beides taugt das Thema des heutigen Evangeliums nicht.
Und auch wer die Nase voll hat von Krankheit und Quarantäne, der sollte die Seite jetzt besser schließen und nächste Woche wieder die Gedanken zum Sonntag lesen.

Denn damals wie heute war eben die Absonderung von (möglichen) Kranken das Mittel der Wahl, um einer Infektionskrankheit zu begegnen. Auch die biblischen Gesetze regeln Quarantänemaßnahmen – besonders prominent beim Thema „Aussatz“. Funktioniert hat die Absonderung der Aussätzigen ja – aber leider nun mal auch deswegen, weil viele der Krankheiten, die als „Aussatz“ galten, wohl gar nicht ansteckend waren.
Damals wie heute: „Versuch und Irrtum“ als einzige Methode, wenn ich (noch) nicht genug weiß.

Und schon ist sie da: die Berührungsangst. Gerechtfertigt durch die Gefahr der Ansteckung.
Gerechtfertigt aber auch, weil der Aussatz als Strafe Gottes gilt. Ein Sünder ist er also – der Aussätzige. Nicht nur eklig, sondern auch verwerflich. Und in zweifacher Weise gefährlich, denn wer weiß, was so ein Sünder anstellt. Klaut er, mordet er, verführt er die Kinder? Klar, dass der draußen und alleine bleiben muss. Selbst schuld!

Damals wie heute grenzen die Berührungsängste aus. Ängste vor Krankheiten. Selbst dann, wenn keine Ansteckungsgefahr besteht. Sonst müsste man nicht mehr wiederholen, dass AIDS sich nicht durchs Händeschütteln überträgt.

Und genauso Berührungsängste vor „dem Fremden“, „dem Anderen“. Und Gründe dafür gibt es viele: ob Nationalität, Geschlechtsidentität oder sozialer Stand. Es kann immer etwas geben, das mich abstößt, das mich vielleicht sogar ekelt oder ängstigt, wie der Aussatz. Es muss nicht einmal wirklich sichtbar sein.
Und schon steht ein Mensch draußen, darf nicht teilhaben am Leben, an der Gemeinschaft, wenigstens mit mir.

Gerechtfertigt ist dieser Ausschluss nie. Weder durch die Gefahr einer Ansteckung. Denn gerade bei einer Krankheit brauchen Menschen Zuwendung und Hilfe. Noch weil es „jemandem schon recht geschieht“. Denn wem dürfte man absprechen ein Teil der Menschheit zu sein?

Es ist schwer die Schranken der Berührungsängste aus meinem Kopf zu bekommen. Vor allem, wenn sie mir doch irgendwie gerechtfertigt erscheinen, weil es doch gefährlich ist.
Und doch schließen sie nicht nur die anderen aus, sondern am Ende auch mich. Die Angst verhindert schließlich auch meine Teilhabe am Leben, an der Gemeinschaft, und die Erkenntnis, dass diese Angst ganz unbegründet ist.

Jesu Handeln überwindet: Ängste, Schranken und deren Gründe, seien sie nun äußerlich oder innerlich. Sein Handeln berührt, die von Berührungsängsten Behafteten und Eingeschränkten.
Und die Berührungsängste in meinem Kopf...

­