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Gedanken zum Sonntag 12.07.20 – 15. Sonntag im Jahreskreis – Jes 55,10-11 & Mt 13,1-9

Was kann nicht alles schiefgehen zwischen Säen und Ernten. Pflanzen zum Wachsen, Blühen und Gedeihen zu bringen ist gar nicht so einfach wie es in der Natur manchmal aussieht. Vor allem dann, wenn man möchte, dass eine bestimmte Pflanze wächst. Wenn man, so wie ich keinen grünen Daumen hat, dann kann es schon sein, dass die Pflanzen, die am besten wachsen, die Algen an der Wand des Aquariums sind – und dabei müssen meine Pflanzen nicht einmal aus Samen keimen, sondern einfach nur als gekaufte Topfpflanzen überleben.

Gut, vieles kann ich dabei beeinflussen – heute mehr als zur Zeit Jesu. Das fängt schon einmal damit an, dass wir heute die Bodenbeschaffenheit genau analysieren können und genau an der richtigen Stelle säen können. Und man sät natürlich präzise, oder immerhin soviel, dass es nichts ausmacht wenn ein bisschen daneben geht. Schlechter Boden wird mit Dünger aufbereitet, Unkraut kann beseitigt und vermieden werden. Eine so schlechte Ausbeute wie im Gleichnis vom Sämann hätten wir heute wohl nicht mehr zu erwarten.

Aber im Gleichnis geht es ja nicht um eine wissenschaftliche Betrachtung der Landwirtschaft, sondern um das Wort Gottes, das von Jesus und – später – seinen Jüngern und von vielen Christen bis heute unter den Menschen „ausgesät“ wird. Und auch beim Wort Gottes stellt sich da die Frage: wie viel Frucht, wie viel Ernte ergiebt sich aus dem Säen?

Ich könnte jetzt anfangen herumzujammer, dass es damit nicht gut bestellt ist, wenn ich auf die Kirchenaustritte 2019 schaue. Ich kann überlegen, welche widrigen Dornen, die Wirkung des Wortes Gottes bei den Menschen heute verhindern. Ich kann mich auch fragen, ob das Wort Gottes vielleicht auch so unpräzise gesät wird, wie das Korn im Gleichnis, und ob ich da nicht mal mit modernen Analysen oder etwas Dünger etwas tun könnte?

Andererseits: Woran kann ich eigentlich erkennen, ob das Wort Gottes Frucht bringt oder nicht? Kann ich da wirklich auf die Zahlen der Kirchenmitglieder schauen? Oder auf die Zahl der Gottesdienstbesucher? Spätestens bei Gottesdiensten unter Abstandsregeln wird klar, dass das kein Maßstab sein kann?

Ich glaube, dass man die Frucht des Wortes Gottes nicht daran messen kann, ob jemand in die Kirche geht, nicht einmal daran, ob man Mitglied einer Kirche ist. Ich denke, die Frucht des Wortes Gottes zeigt sich eher daran, wie viel Liebe, Wohlwollen und Friedenswunsch jemand in seinen Worten und Taten erkennen lässt, wie viel Vertrauen man in Gott setzt, wie viel Hoffnung man hat. Und ob diese Hoffnung etwas Gutes im Leben bewirkt.

Beim Aussäen des Wortes Gottes kann ich zwar auch das Fruchtbringen etwas beeinflussen, z.B. indem ich anderen zeige, welche guten Folgen mein Glaube in meinem Leben hat, indem ich mit anderen liebe- und würdevoll umgehe, aber letztendlich habe ich es nicht in der Hand, ob der Same des Wortes Gottes Frucht bringt, und welche Frucht er bringt.

Ob es überhaupt Frucht bringt?
Für mich ist das eine wichtige Frage, schließlich ist das Aussäen des Wortes Gottes Teil meines Berufes. Aber eigentlich sollte es doch auch für alle Christen wichtig sein. Was machen wir denn, wenn es keine Frucht bringt?

Ich finde es ganz beruhigend, dass auch schon Jesus in seinem Gleichnis davon ausgeht, dass einige Saat daneben gehen wird und keine Frucht bringen kann. Und dennoch gibt es genug Frucht.

Das andere, was mich beruhigt sind die Worte, die Gott bei Jesaja sagt: „Ich lasse nicht zu, dass mein Wort leer zu mir zurückkommt.“ - Also: ich lasse nicht zu, dass es gar keine Frucht gibt.

Wenn wir das Wort Gottes aussäen, dann können wir schon unser Bestes dabei tun und uns auch nach der Saat um die Pflanzen kümmern. Aber ob es am Ende klappt mit der Frucht? Das können wir nicht erzwingen – und ehrlich gesagt, will ich auch nichts erzwingen. Ich will darauf vertrauen, dass Gott schon dafür sorgt, dass sein Wort wirkt.

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