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Gedanken zum Sonntag 12.04.20 - Ostern

Leer sind die Kirchen. Leer ist der Petersplatz. Leer die Straßen von Jerusalem. Leer unsere Innenstädte. Bilder, die jetzt durch die Medien gehen. Von Orten, die jetzt zu Ostern doch eigentlich so voll sein sollten.

Voll sind immer noch die Supermärkte. Doch Abstand halten ist das Gebot der Stunde. Markiert durch Bereiche, in denen man stehen und gehen darf. Abstandshalter Einkaufswagen. Doch die Blicke hält niemand ab, wenn jemand das letzte Päckchen Hefe vor einem greift, wenn jemand hustet, wenn jemand gefühlte Stunden vor einem Regalabschnitt steht und sich alles staut.

Eingesperrt in unseren Häusern und Wohnungen. So wenig wie möglich raus. Angst, Pflichtbewusstsein, bei manchem auch Verzweiflung oder Trauer sperren zusätzlich ein.

Hilflos stehen wir einer Situation gegenüber, die wir nicht in der Hand haben. Und doch wollen wir irgendwas tun. Zum Glück gibt es da diese Kleinigkeiten, die wir machen können. Und wir können immerhin von Ferne für unsere Lieben da sein.

Leer sind die Straßen an diesem frühen Morgen vor fast 2000 Jahren in Jerusalem. Bald werden sie wieder voll sein. Aber das wird nichts ändern für die Frauen. Leer ist das Haus ohne ihn. Leer ihr Leben. Leer geweint ihre Augen.

Voll waren die Straßen, als sie seinen Tod forderten. Voll Trauer und Angst sind sie und die Jünger. Abstand halten die Menschen zu ihnen. Die Blicke voller Misstrauen und Verachtung treffen dennoch. Abstand halten auch die Jünger, obwohl sie doch immer noch alle zusammen in einem Haus sind.

Eingesperrt sind sie jetzt in diesem Haus, nicht nur weil gestern Sabbat war. Die Trauer hat die Kraft zum Weitergehen geraubt. Die Angst selbst getötet zu werden, lässt sie die Türen verschlossen halten.

Hilflos standen sie am Kreuz. Nichts konnten sie für ihn tun. Was können sie jetzt noch tun? Jesus ist tot. Da bleibt nur dieser kleine Liebesdienst, ihn zu salben. Aber was, wenn sie vor dem Grab stehen werden und niemand ihnen den Stein zur Seite rollt?

Und dann…

Leer ist das Grab. Kein Stein, keine Soldaten und keine Leiche. Kein Tod, sondern…
Und doch nicht ganz leer: denn die Frauen sehen noch, Jesus lag wirklich hier. Es ist wirklich passiert. Und sie hören: da ist noch etwas wirklich passiert. Ein Engel verkündet die Auferstehung. Und dann beginnen sie zu laufen, weg vom Grab, weg vom Tod.

Voll Hoffnung drehen sie sich um und laufen weg vom Grab, hin zu den Jüngern. Aber auch voll Wundern und Staunen. Immer noch voll Zweifeln, ob sie ihren Augen und Ohren trauen können oder ob ihr Erlebnis gerade nicht ein Wunschtraum war. Und doch fangen sie an zu reden, über das, was sie erlebt haben.
Und dann beginnen sie zu sehen und ihn zu treffen: den Auferstandenen - und zu glauben: daran, dass das Leben stärker ist als der Tod, dass es eine Zukunft geben wird.

Eingesperrt haben sie sich immer noch. Denn die Angst vor den anderen, die nicht glauben, bleibt. Die Unsicherheit, wie es weitergehen soll. Sie wollen Jesus festhalten, er soll da bleiben und alles soll weitergehen wie zuvor. Doch Jesus lässt sich nicht mehr festhalten. Es wird nie mehr sein wie zuvor.
Und dann beginnen sie zu lernen, wie sie mit dem Neuen umgehen können. Sie beginnen mit der Angst und Unsicherheit zu leben. Sie beginnen neue Wege zu finden, Jesu Botschaft zu leben, auch wenn er nicht mehr da ist.

Hilflos fühlen sich die Jünger immer noch, immer wieder. Bisher hat dann immer Jesus weiter gewusst. Auch jetzt ist er immer noch da. Nicht mehr greifbar und doch...
Und dann beginnen sie zu spüren: so wird es ab jetzt sein. Jesus ist immer bei uns. Er hat uns eine Hilfe versprochen. Wir können uns immer an ihn wenden. Doch jetzt sind wir dran zu handeln. Er wird nicht mehr alle Probleme für uns lösen. Er hat uns die Kraft gegeben, auch etwas zu tun.

Und dann beginnt…
Und dann beginnen sie…

Mit Ostern wird nicht alles schlagartig gut. So funktioniert das nicht. Egal, wie sehr ich mir das wünsche. Mit Ostern werden wir nicht alle unsterblich. An Ostern zeigt Gott nicht aller Welt mit einem Paukenschlag seine Allmacht. Er haut nicht drauf und errichtet sein Reich mit einem Schlag.

Ostern ist nicht das triumphale Finale einer Show. Ostern ist nicht das Happy End einer guten Story. Ostern ist überhaupt kein Ende.

Ostern ist ein Anfang. Der Neuanfang Gottes mit uns Menschen.
Und es ist ein zaghafter Anfang.
Ein Anfang noch unter Tränen, zwischen die sich ein Lächeln schleicht.
Es ist ein unscheinbarer Anfang.
Wie der Anfang des keimenden Lebens.
Es ist ein unsicherer Anfang.
Ein Anfang mit mehr Fragezeichen als Lösungen.
Es ist ein zögerlicher Anfang.
Ein Anfang mit kleinen Schritten, die auch jemand gehen muss.

Gott schenkt uns diesen Anfang.
Und mit ihm wie ganz am Anfang der Welt einen Auftrag: nicht mehr nur diese Welt zu bebauen, sondern mitzubauen an der Neuen Welt.
Gott schenkt uns einen Anfang.
Und mit ihm das Versprechen: „Ihr werdet auferstehen!“ - neue Hoffnung auf Sinn und Ziel unseres Lebens bei Gott.
Gott schenkt uns einen Anfang.
Und mit ihm die Herausforderung: auszuhalten, dass ich noch nicht alles verstehe, dass ich noch nicht begreifen kann, was Auferstehung für mich bedeutet, dass noch nicht alles gut ist
und dann zu beginnen…
...diesen Neuanfang auch zu nutzen - für meinen Weg mit und hin zu Gott

Gott schenkt uns einen Anfang…
Beginnen wir…?!

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