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Gedanken zum Sonntag 10.10.20 – 28. Sonntag im Jahreskreis – Mt 22,1-14

Syrien im Oktober des Jahres 71.
Matthäus sitzt am Tisch seines einfachen Hauses und schreibt für seine christliche Gemeinde die Geschichten von Jesus auf. Irgendwie müssen sie ja weitergetragen werden, auch wenn mal niemand mehr da ist, der Jesus noch kannte.

Er weiß ja, wie schnell etwas passieren kann und alles ist anders. Er denkt zurück an das letzte Jahr. Den Krieg mit den Römern. Die Zerstörung Jerusalems und des Tempels.

Warum ist das ausgerechnet Israel passiert? Warum dem Volk Gottes? Diese Frage hat er oft gehört und sich auch selbst gestellt.

Matthäus hat seine Antwort gefunden. In einem Gleichnis, das Jesus einst erzählt haben soll. Es ist logisch und eigentlich ganz einfach: Sie sind selbst schuld, die Menschen in Israel. Gott hat zu ihnen gesprochen, sie eingeladen und sie haben nicht zugehört, sind nicht gekommen.

Ganz im Gegenteil haben sie Gottes Boten - seine Propheten, die Apostel und selbst Gottes Sohn - ignoriert, verlacht, verfolgt und getötet. Es geschieht ihnen also ganz recht, dass Gott sie verwirft.

Matthäus denkt nach: Ja, das sollte seiner Gemeinde eine Lehre sein. Er hat in der letzten Zeit bemerkt, wie seine Schwestern und Brüder im Dienst aneinander nachlassen, wie manche ihre wöchentlichen Treffen nur halbherzig besuchen. Manchmal hat er das Gefühl, dass sie nur noch wegen des Essens kommen.

Und so fügt er dem Gleichnis eine neue Pointe hinzu. Einen Mann ohne Hochzeitsgewand. So einfach ist das.


Hofheim im Oktober des Jahres 2020.
Ich sitze hier und soll ausgerechnet über dieses Evangelium schreiben, das ich - zugegeben - nicht besonders mag. Und politisch korrekt ist es doch wohl auch nicht. Da brauche ich nicht mal eine antijüdische Deutung. Rausschmiss wegen seiner Kleidung – Diskriminierung.

Als ich gelesen habe das Martin Luther einmal über dieses Evangelium sagte, es sei einfach (zu deuten), aber schrecklich, konnte ich dem erstmal nur zustimmen: ja es ist schrecklich. Vor allem, für den armen Mann ohne Hochzeitsgewand.

In der Zwischenzeit weiß ich leider nur zu gut, wie es ist, wenn man wegen eines fehlendes Kleidungsstückes draußen bleiben muss. Ich bin in letzter Zeit oft zurück gerannt, weil ich die Maske vergessen hatte.

Und jetzt habe ich so eine Kleiderkontrolle auch noch am Eingang zum Himmelreich zu erwarten? Na vielen Dank. Das ist doch unfair. Vielleicht habe ich kein Hochzeitsgewand? Das passt so gar nicht zu meinem Bild vom gnädigen, liebenden, verzeihenden Gott.

Aber ist es so einfach?

Wenn ich ehrlich bin: Gott sei dank, fragt mich keiner, wer ins Reich Gottes kommt. Wenn ich auf jemanden wütend bin, könnte das dann leicht noch mehr Rauswürfe nach sich ziehen.

Ich kenne diese Gedanken: „Na, wenn der so handelt, wird ihn schon noch die gerechte Strafe ereilen.“ - Ich muss nur an die Despoten oder Populisten dieser Welt denken, und schon bin ich gar nicht mehr so für ein offenes Himmelreich. Wen würde ich alles nicht zum Reich Gottes zulassen oder wenigstens ein bisschen draußen schmoren lassen? Strafe muss sein!

Ist es so einfach?

Eigentlich will ich ja nicht so denken. Eigentlich wünsche ich mir, dass am Ende alle erlöst und mit Gott versöhnt sind. Und ich hoffe, dass Gott das auch will, dass Gott nicht leichtfertig hinauswirft.
Da macht mir eine Begebenheit aus der Coronazeit ein bisschen Mut.

Am Anfang, als es eine allgemeine Maskenpflicht im Gottesdienst gab, kamen doch ein paar auch ohne Maske. Obwohl ich gemusst hätte, konnte ich sie nicht raus werfen. Wenn ich mir schon so schwer tue, jemanden bei einem Gottesdienst abzuweisen, nur weil er keine Maske trägt, müsste es dann Gott nicht eigentlich auch schwer fallen, jemanden aus seinem Reich zu werfen?

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