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Gedanken zum Sonntag 09.08.20 - 19. Sonntag im Jahreskreis - 1 Kön 19,9.11-13

Die Erde bebt. Felsen zerbrechen. Es sieht aus als würde es den Berg zerreißen. Ein glühend heißer Wind, der Asche mit sich bringt, fegt über alles hinweg. In den Wolken um den Berg toben Blitze. Es regnet Feuerbälle und Gesteinsbrocken. Und glühende Lava bahnt sich unaufhaltsam ihren Weg.

Vulkanausbrüche sind gewaltig und oft todbringend. Andererseits sind die Böden um Vulkane oft fruchtbar, die Vulkanausbrüche fördern wertvolle Bodenschätze zu Tage und heiße oder mineralische Quellen dienen als Heilmittel. Deswegen siedeln Menschen schon lange rund um die feuerspeienden Berge.

Nicht nur in Fantasy-Romanen waren sie Orte, an denen magische Wesen, wie Drachen, und Gottheiten lebten. Wie die meisten Naturgewalten galten und gelten Vulkane in vielen Kulturen als heilige Orte, Wohnorte der Götter oder sogar selbst als Gottheit.

Wenn dann eine Gottheit auf einem Berg erscheint, dann ist es nur logisch, dass dies in Form eines Vulkanausbruchs passiert. Man kann erwarten, dass sich eine Gottheit mit all ihrer Macht, mit aller Kraft der Naturgewalten präsentiert.

Und so sollte man eigentlich annehmen, dass Gott auf dem Horeb eben auch in den Naturgewalten erscheint. Um Israel herum gibt es auch durchaus Vulkane, die in historischer Zeit aktiv waren. Möglich, dass einer davon zum Gottesberg wurde.

Aber erstaunlicherweise, erscheint Gott gerade nicht in den Naturgewalten. Sie kommen vor ihm. Aber Gott ist weder in Sturm, Erdbeben und Feuer, noch ist er eines dieser Dinge selbst. Erst als alle Naturgewalten an Elijas Versteck vorbeigezogen sind, erscheint Gott: in einem leisen, sanften Säuseln.

Gott schickt Naturgewalten voraus, er könnte, wenn er wollte mit jeder dieser Kräfte kommen, aber er kommt in einer sanften Brise. Und doch verhüllt Elija sein Gesicht. Auch im Säuseln ist Gott Gott, allmächtig, gewaltiger als die Naturgewalten, nichts, was man einfach so ansehen darf.

Gott erscheint auf ungewohnte, sanfte, kleine, unscheinbare Art und Weise, nicht nur am Horeb. Als er Mensch wird, wird er nicht als König geboren, sondern als Kind einfacher Menschen: Jesus von Nazareth - eigentlich ein Durchschnittstyp. Und doch beherrscht er die Naturgewalten.

Wie denke ich eigentlich: Wie tritt Gott auf? Warte ich auch eher auf den Knalleffekt, die große Show der Naturgewalten? Oder kann ich Gott im Unscheinbaren entdecken? In den „kleinen und geringen Menschen“, von denen Jesus sagt: wenn ihr ihnen helft, helft ihr mir? Im Säuseln?

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