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Gedanken zum Sonntag – 07.02.21 – 5. Sonntag im Jahreskreis – Hiob 7,1-4.6-7

Hiob

Hiob geht es wirklich schlecht. Sein Leben ist zerstört. Die Kinder tot, der Reichtum dahin, seine Gesundheit zunichte gemacht durch eine Krankheit, die ihn zugleich von der Gesellschaft ausstößt. Auf Hilfe und Unterstützung, auf Trost und Beistand darf er nicht hoffen. Ganz im Gegenteil: seine Frau verspottet ihn und seine Freunde klagen ihn als den Schuldigen seines Leidens an.

Eine normale Vorstellung im alten Orient: Gott lässt guten Menschen Gutes geschehen und bösen Menschen Böses. So einfach ist das.

Doch Hiob ist wirklich unschuldig an seinem Leid, er hat nichts Schlechtes getan. Auch jetzt nicht: weder flucht er, noch beschuldigt er andere, noch wendet er sich von Gott ab. Hiob bleibt ein guter und frommer Mann, wie er es vor seinen Schicksalsschlägen war.

Doch das heißt nicht, dass er sein Schicksal klaglos annimmt. Mit drastischen Klageworten wendet er sich an Gott. Er fordert Gottes Gerechtigkeit ein, oder wenigstens Gottes Mitleid: Denk daran: Mein Leben ist doch so kurz. r schreit seinen Schmerz und seine Enttäuschung hinaus. Enttäuschung, weil er von Gott mehr Gerechtigkeit erwartet hatte: Warum muss denn er – ein guter Mensch – leiden?

Hiob findet selbst eine Antwort: Obwohl Gott nur Fragen an ihn stellt: Weißt du wie man die Welt im Gleichgewicht hält? Überblickst du alles, was ich überblicke?
Hiob erkennt: die Welt ist so komplex, so miteinander verwoben, dass es keine Antwort auf seine Frage nach dem Leid gibt, die Hiob wirklich nachvollziehen könnte. Weil er nicht, wie Gott, alles überblickt.
Hiob schämt sich vor Gott: Er wollte mit Gott richten, ihn belehren, wie ungerecht er ist. Doch nun muss Hiob erkennen, dass er derjenige ist, der zu lernen hat.

Und doch sagt Gott: „Du hast Recht von mir/du hast Recht zu mir geredet.“
Es war richtig, dass Hiob geklagt und gefragt hat.
Es war richtig, dass er nicht versucht hat einen Schuldigen zu finden, wo es keinen Schuldigen geben konnte.
Es war richtig, dass er sich an Gott gewandt hat.

Klage vor Gott, er hält es aus!
Schrei zu Gott, er erträgt Trauer und Wut!
Lass auch deine negativen Gefühle raus, Gott spürt sie sowieso!

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