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Gedanken zum Sonntag 03.05.20 – 4. Sonntag der Osterzeit - Joh 10,1-10

Einlasskontrollen und Türsteher sind gerade überall präsent. Kannten wir sie bisher vor allem von Großveranstaltungen, Flughäfen oder Diskotheken, sind sie dank der Corona-Krise jetzt auch in Geschäften, Arztpraxen und bald auch in Kirchen zu finden. Rein kommt nur, wer bestimmte Kriterien erfüllt.

Die Türsteher sind wichtig: sie schützen die Menschen, die ein und ausgehen. In einem Gebäude mit einem guten Türsteher, kann ich mich wesentlich sicherer fühlen. Und jetzt weiß ich: so kann die Infektionsgefahr vermieden werden.

Die Türsteher können mich aber auch nerven. Sie sind pingelig und alles dauert ewig. Manchmal verstehe ich die Einlasskriterien auch nicht. Und nicht immer läuft alles nach Vorschrift ab.

Jesus spricht auch von einem Türsteher: einem, der einen Schafstall bewacht. Er lässt nur den richtigen Hirten hinein, nicht Räuber und Diebe. Diese Räuber und Diebe sind richtig gewitzt: sie geben sich sogar als Hirten aus, aber sie wollen den Schafen nur schaden. Sie wollen die Schafe nur für ihre eigenen Zwecke und Bedürfnisse ausnutzen. Der echte Hirte will aber, dass das Leben der Schafe gelingt und sie alles haben, was sie dazu brauchen.

Der Türsteher ist zwar gut und hält die Tür bei den falschen Hirten verschlossen, aber die Diebe und Räuber lassen nichts unversucht. Sie steigen anders in den Stall ein und versuchen, die Schafe zu rauben.
Zum Glück sind die Schafe nicht dumm, und wissen: nur wer durch die Tür kommt, ist ein echter Hirte, und nur dem folgen wir. Außerdem kennen die Schafe ihren Hirten. Deswegen scheitern die Versuche der Räuber.

Gut eine spannende Geschichte: aber warum erzählt Jesus sie? Seine Zuhörer sind ratlos.
Vielleicht ein kleiner Seitenhieb auf die Pharisäer – so in der Art: Ich sag euch gerade durch die Blume, dass ihr diese falschen Hirten seid. Ihr kommt hier aber nicht rein. Die Menschen werden mir folgen.?

Die Rolle Jesu ist in der Geschichte aber etwas unklar. Sie wechselt mehrfach. Einmal ist er der gute Hirte. Ganz in der Tradition des Bildes des guten Hirten für Gott, wie es schon Psalm 23 schildert. Gott weiß, wie ein guter Hirte, was das beste für den Menschen ist, und wird ihn dorthin führen, wenn der Mensch ihm nur folgt.
Auch Jesus bezeichnet sich als guter Hirt. Aber er ist nicht der einzige gute Hirte. Anscheinend kann es auch andere gute Hirten geben. Menschen, die andere Menschen uneigennützig auf die Wege Gottes führen. Und diese Menschen kommen auch nur durch eine Einlasskontrolle zu den Schafen.
Genauso wie anscheinend auch die Schafe durch diese Einlasskontrolle rein und raus müssen.

Oder nur durch diese Einlasskontrolle rein und raus können.

Jesus sagt erstaunlicherweise nicht, dass er der Türhüter ist, sondern er sagt, dass er die Tür sei. Erst mit seinem Kommen gibt es überhaupt die Möglichkeit, durch eine Tür zu gehen, sowohl für Hirten, als auch für Schafe.
Der Weg zum vollkommen gelingenden Leben war ohne Jesus anscheinend versperrt. Konnte es dann überhaupt etwas anderes als Diebe geben?

Das erinnert mich, an die Bilder in Advents- und Weihnachtsliedern: Jesus Christus schließt die Tür zu Gott auf, die verschlossen war, die die Menschen sich selbst versperrt hatten.

Aber mit und durch Jesus gibt es wieder einen Weg. Die ausgesperrten Menschen können wieder zu Gott gelangen. Alle, die durch die Tür Jesus Christus gehen, werden Weide finden oder schützenden Stall, das, was sie gerade brauchen.
Alle!
Es gibt keinen Unterschied mehr zwischen Schafen und Hirten. Wenn ich durch die Tür Jesus gehe, gehe ich schon auf dem richtigen Weg. Dann gehe ich automatisch mit ihm zu Gott.
Alle sind jetzt Schafe – und Hirten – vielleicht immer das, was es gerade braucht…

Die Einlass- (oder Ausgangs-)Kriterien sind nicht sehr kompliziert und nicht sehr viele. Ich muss nur an diese Tür glauben, auf Jesus Christus vertrauen. Durch und mit ihm leben wollen.
Es gibt keine komplizierten Regeln, die ich befolgen muss.

Und doch erkenne ich eines an, was mich von den Dieben und Räubern unterscheidet:
Wer durch diese Tür geht will und bekommt das Leben in Fülle, aber eben nicht nur für sich, sondern für alle, die da mit einem durchgehen.
Selbst, wenn sie mal Diebe und Räuber waren.

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