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Gedanken zum 2. Sonntag nach Weihnachten – 03.01.21 – Joh 1,1-18

Johannes beginnt sein Evangelium nicht wie die anderen Evangelisten. Während Markus einfach schreibt, dass dies der Anfang sei und dann gleich in das öffentliche Wirken Johannes des Täufers und Jesu einsteigt, während Lukas und Matthäus mit der Familiengeschichte Jesu und seiner Geburt beginnen – wie man es bei Biografien eben macht, steht bei Johannes ein Hymnus am Anfang, ein Glaubenslied, das eigentlich schon das Wichtigste aussagt, worum es im Evangelium dann gehen wird.

Auch Johannes beginnt mit einem Anfang. Aber er greift viel weiter zurück als die anderen, selbst viel weiter als Matthäus, der immerhin mit Abraham beginnt. Johannes beginnt noch vor der Erschaffung der Welt: Im Anfang der Welt ist das Wort Gottes schon da, durch es wird alles.

So weit, so bekannt, würde ein antiker Theologe oder Philosoph vielleicht sagen. Kann man doch in der Weisheitsliteratur des Judentums oder in der griechischen Philosophie auch etwas vom „Wort“ bzw. seiner griechischen Übersetzung dem „logos“ lesen.

Doch was Johannes schreibt, ist etwas bisher Ungehörtes und genauso Unerhörtes. Dieses Wort, das doch eigentlich ganz bei Gott ist, das sogar Gott selbst ist, wird Fleisch, etwas, was ganz unserer Welt zugehört.
Das Schöpfende wird wirklich Teil seiner Schöpfung.
Und das was vorher nie geschah, dass jemand Gott sieht, wird plötzlich möglich. Gott wird sichtbar und fassbar – in einem Menschen.

Jesus war dieser Mensch, in dem Gott Fleisch wird, in dem Gott sichtbar und fassbar wird.
Für Johannes und seine frühchristliche Gemeinde ist das wichtig zu betonen, gegen all diejenigen, die seinen Glauben kritisieren und in Frage stellen: Was war denn Jesus genau? Nicht vielleicht doch nur ein Mensch? Ein Prophet? Oder nur eine Tarnung eines Gottes? Ein zweiter Gott?

Johannes stellt gleich vor sein Evangelium die Aussage: Das, was ihr hier lest, ist keine menschliche Biografie, ist keine Göttersage.
Das was ihr hier lest, schildert, wie sich der eine und einzige Gott in der Welt offenbart und wie er die Menschen so erlöst und rettet, wie er sie zu Kindern Gottes macht.

Warum ist das so kompliziert?, denke ich mir, wenn ich den Johannes-Prolog lese – auch wenn er natürlich schön poetisch klingt. Es braucht ja doch ein bisschen philosophisches Vorwissen und natürlich einige Male des Lesens bis ich so ungefähr verstehe, was Johannes meint. Ging es seinen ersten Lesern eigentlich auch so?
Warum kann er nicht einfach auch schön chronologisch mit einer netten Geburtsgeschichte anfangen?

Natürlich haben auch die Kindheitsgeschichten von Matthäus und Lukas ihr theologisches Programm, aber ich kann sie eben auch einfach als Biografie lesen. Viel einfacher. Viel verständlicher.
Ich muss da nicht einmal viel glauben. Ich kann sie auch einfach wie andere Geschichtsschreibung betrachten und mich fragen, ob da Fakten erzählt werden oder Märchen. Ich kann sie und ihre Hintergründe wissenschaftlich untersuchen, wie ich es z.B. mit den Schriften Cäsars auch tun kann.

Bei Johannes ist das anders. Ich muss mich von Anfang an in seinem Evangelium mit meinem Glauben auseinandersetzen. Und ich muss mich positionieren.
Ich kann nichts historisch nachprüfen, keine Fakten klären, denn vor den Anfang der Welt zurückblicken, auf das Göttliche blicken kann ich nicht.
Außer: ich entscheide mich zu glauben, dass ich das Göttliche in Jesus Christus sehen kann.

Bei Johannes muss ich mich gleich zu Beginn entscheiden: glaube ich, dass das was da noch kommt wahr ist? Ist das, wie schon der Beginn sagt, die Geschichte Gottes unter den Menschen?

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