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Gedanken zum Sonntag – 21.03.21 – 5. Fastensonntag – Joh 12,20-33

Vermehrung

Ein Weizenkorn: klein, trocken, unscheinbar. Nicht so recht lebendig. Eher wie ein kleines Steinchen. Und daraus soll neuer Weizen wachsen, wenn man es auf die Erde streut?
Wenn ich nicht wissen würde, dass es funktioniert, wenn ich nicht selbst als Kind Kressesamen gesät hätte und der Kresse beim Wachsen zugesehen hätte, dann wäre allein schon diese Geschichte, die Jesus nur als Bild benutzt schon unglaublich genug.

Und es ist ja auch ein echtes Wunder, dass aus dem so wenig lebendigen Korn neuer Weizen wächst, der selbst wieder ganz viele Körner hervorbringt. Aus einem Korn so viel mehr neues Leben.

Das Wunder funktioniert aber nur, wenn ich das Korn, das ich habe hergebe. Wenn ich Weizenkörner z.B. in einem Sack lagere, dann funktioniert das mit dem neuen Weizen nicht. Selbst, wenn die Körner keimen sollten, Frucht kann der Weizen in einem Sack gelagert nicht bringen. Viel eher würde er schimmeln und der ganze Weizen wäre endgültig dahin. Die Möglichkeit zu mehr Leben wäre vernichtet.

Jesus sieht unser Leben ähnlich: wenn ich um jeden Preis mein Leben erhalten will, wenn ich deswegen nur auf mich schaue, wenn ich mein Leben höher als das der anderen achte, nehme ich mir die Chance auf mehr Leben, auf ein Leben mit und für andere, auf ein erfülltes Leben.

Wenn ich mich in Angst daheim verkrieche, dann erlebe ich nichts, wenn ich nicht auf andere eingehe und etwas von mir gebe, kann ich keine Beziehungen zu Menschen führen, wenn ich absolute Sicherheit haben will und erst etwas nutze oder tue, wenn ich alles geprüft habe, werde ich es nie nutzen oder tun, denn absolute Sicherheit kann ich nicht haben.

Ich nehme dabei auch anderen die Möglichkeit zu mehr Leben. In einem Leben, das nur darauf ausgerichtet ist, mein Leben zu retten, werde ich nicht teilen und andere hungern lassen, werde ich ohne Rücksicht auf die Zukunft leben und meine Umwelt ausbeuten, werde ich über Menschen, die Hilfe brauchen hinwegsehen.

Wenn ich mich aber für die Welt und andere öffne, wenn ich mein eigenes Leben und Wohlergehen nicht zum obersten Ziel mache, sondern mich auch zurücknehme und auch auf andere achte, kann es für mich und andere mehr Leben geben.
Eine lebenswerte Zukunft in einer gesunden Umwelt, ein friedliches Zusammenleben mit Menschen, die sich verstehen, Liebe und Freundschaft, Hilfe von anderen, die ich zurückbekomme, Erlebnisse und Erfüllung.

Aber Jesus geht weiter: ein Leben, in dem ich etwas von mir gebe, wird nicht nur in dieser Welt mehr Leben geben. Er verspricht, dass wir, auch wenn wir in die Erde fallen und sterben, mehr Leben bekommen, es ein ewiges Leben nach dem Tod geben wird. Das Leben derjenigen, die nicht am irdischen Leben kleben, nur es lieben, bleibt auch in der Ewigkeit bei Gott bewahrt und geehrt.
Jesus stellt dieses Versprechen seinem Aufruf, ihm nachzufolgen voran. Wer ihm dienend nachfolgt, wird durch Gott geehrt, wer wagt, sein Leben auch für andere einzusetzen, wird neues Leben gewinnen.

Es ist ein Versprechen. Aber manchmal überkommen mich Zweifel: Ich will mein Leben nicht um jeden Preis bewahren, aber ich lebe schon gerne und Angst kriege ich auch manchmal. Nicht nur, dass ich sterben könnte, sondern auch dass ich in diesem Leben nicht mehr sondern zu wenig bekommen könnte, dass ich zu kurz kommen könnte. Gerade in dieser Zeit der Unsicherheit und Krise. Will ich es dann wirklich wagen, etwas von mir zu geben?

Als Jesus dieses Gleichnis erzählt, spricht er zu seinen Jüngern, ein paar Leuten. Wie viele andere Schriftgelehrte seiner Zeit auch.
Als Johannes Jesu Gleichnis aufschreibt, schreibt er für Menschen in vielen Teilen der damals bekannten Welt, schreibt er letztlich für viele Menschen bis heute, auch für uns.

Zwischen Jesu Worten und Johannes Schreiben liegt eine Erfahrung der Jünger, die alles veränderte, die aus der kleinen Gruppe immer mehr Menschen werden lässt, die immer mehr Glauben wachsen lässt:
Jesus stirbt selbst wie das Weizenkorn, er gibt sein Leben; doch sein Tod ist, wie er versprochen hat, nicht das Ende, sondern aus seinem Tod erwächst neues Leben. Jesus ersteht von den Toten auf. Aus seinem Tod wird mehr Leben, für ihn - und für uns.

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