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Gedanken zum Sonntag – 4. Sonntag der Osterzeit – 23.04.21 –

Verantwortung

Eine Schaffamilie streift ganz alleine durch die Gegend. Niemand weiß genau wem die kleine Gruppe Schafe gehört und woher sie eigentlich kommt. Schafe auf einer Weide werden unruhig, der fremde, hirtenlose Bock war zudringlich. Was wenn die fremden Schafe krank sind?, fragen sich die Besitzer der anderen Schafe ängstlich. Die Polizei wird eingeschaltet, auch weil der Straßenverkehr gefährdet ist. Die Schafe kann sie einfangen, einen Verdacht, wer der Hirte ist, hat sie auch, aber Verantwortung will der nicht übernehmen.

Für Haus- und Nutztiere muss immer jemand Verantwortung übernehmen. Wenn sie einfach frei draußen rumlaufen ist das immer - wenigstens etwas - gefährlich, für andere oder für sie selbst. Und wenn ein Schaden passiert, heißt es auch immer, dieser Verantwortung nachzukommen.

Auch für einen Menschen übernehmen immer wieder andere – in einem gewissen Rahmen – Verantwortung: als Kind natürlich, als alter oder kranker Mensch, solange man in Schule oder Ausbildung ist, kein eigenes Geld hat, aber auch wenn man wo angestellt ist oder wenn man Dienstleistungen und Einrichtungen in Anspruch nimmt. Im Schwimmbad ist z.B. auch immer der Bademeister für mich mit verantwortlich, oder mein Bankberater für meine Investitionsentscheidung.

Und dann ist da Jesus Christus, der Verantwortung für alle übernimmt, die an ihn glauben, die ihm folgen wollen. Er übernimmt nicht nur ein bisschen Verantwortung, er lässt die Verantwortung nicht einfach links liegen, wenn es schwierig wird. Jesus Christus übernimmt Verantwortung bis ins Letzte bis zur härtesten Konsequenz, und wenn das bedeutet für die Seinen sein Leben zu Opfern.

Es ist kein leeres Versprechen Jesu, als er sagt, er sei der gute Hirte und er würde sein Leben für die Schafe hingeben. Er tut es am Kreuz. Er opfert sich für die Schafe. Er rettet und erlöst dadurch alle Schafe, egal aus welchem Stall, egal woher sie kommen.

Jesus Christus trägt alle Konsequenzen für die Seinen, auch diejenigen dafür, dass sie Mist gebaut haben, wie ein guter Hirte, wenn seine Schafe ausbüxen und vor ein Auto laufen würden. Jesu Konsequenzen sind bitter, er trägt die Schuld der Menschen als er das Kreuz trägt, aber er tut es aus Liebe, um die Menschen zu retten.

Das ist doch eigentlich ganz angenehm, wenn jemand anderes die Verantwortung für mich und mein Handeln hat, vor allem, wenn leicht etwas schief gehen kann. Ich kann mich vertrauensvoll zurücklehnen und brauche mir keine Sorgen zu machen.
Aber brauche ich mich dann eigentlich noch anstrengen? Mich noch an Regeln halten? Habe ich nicht Narrenfreiheit, wie so ein Schaf? Das kann ja letztlich auch nichts dafür, wenn es vor das Auto läuft? Es ist doch nicht meine Verantwortung...

Aber andererseits kann ich ja als Mensch doch ein bisschen mehr als so ein Schaf, vor allem mehr selbst denken.

Dass Jesus, dass Gott letztlich die Verantwortung für mein Leben hat, kann meine Angst und meine Sorgen kleiner machen. Es gibt am Ende eine Hand die mich hält.
Aber es ist kein Freifahrtsschein, nichts mehr im Leben verantwortungsbewusst anzugehen. Nur weil jemand Verantwortung für mich hat, werden ja nicht die Gesetze der Welt ausgehebelt. Manche Konsequenzen lassen sich nicht einfach mit Verantwortung ausbügeln, vor allem nicht die für Dritte.
Das gilt ja auch bei den Schafen: das Schaf vor dem Auto ist tot, auch wenn der Hirte die Autoreperatur zahlen muss – und nicht das Schaf. Und der Autofahrer hat sicher auch einen Schock, ist vielleicht sogar verletzt.

Und ich kann mir - anders als das Schaf - schon vorher Gedanken machen, auch darüber was es für meinen Hirten bedeutet, wenn er Konsequenzen tragen muss. (Und vielleicht auch für andere um mich herum?)
Ein richtig guter Hirte könnte natürlich vor das Auto springen, das Schaf retten und selbst dabei verletzt werden oder sterben. (Was nichts am Schaden des Autofahrers ändert).
Aber will ich als (gutes) Schaf meinem Hirten, den ich doch eigentlich mag, solche Konsequenzen zumuten? Will ich ihn verletzten, nur weil er wieder auf(er)stehen kann?

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