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Gedanken zum Sonntag – 14.03.21.21 – 4. Fastensonntag – Joh 3,14-21+Eph 2,4-10

Versöhnung

Ein Blick in die Medien, heute, gestern, in der letzten Woche, und jedes Mal wird über irgendwen oder irgendwas geschimpft und gestritten. Nichts ist richtig, nichts passt, alles weiß irgendwer besser, irgendwer erhebt den moralischen Zeigefinger, dann die Keule und spätestens dann hat die Gegenseite ihm aber schon eins übergebraten.

Klar. Ob bei einer der vielen Corona-Baustellen, bei der durch den Jahrestag von Fukushima in der letzten Woche mal wieder thematisierten Atomenergie und Energiewende, oder bei einem der anderen Krisenthemen unserer Zeit – überall gab und gibt es Fehler, vieles funktioniert nicht, wie wir es uns vorgestellt haben. Und es gibt auch Menschen die dafür Verantwortlich sind, die absichtlich das Falsche getan haben, aber eben auch Menschen, die vielleicht einfach überfordert sind, die gepokert und verloren haben, die nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt haben, aber Pech hatten. Und oft gibt es schlichtweg keine gute Entscheidung, die man treffen könnte. Man kann höchstens das kleinste Übel finden.

Die Situation ist für alle nicht gut, der Unmut wächst, und irgendwie muss er raus. Aber die Diskussion wird zu jedem Thema immer lauter und unsachlicher, die Gräben immer tiefer und unüberwindlicher und die Suche nach Sündenböcken geht immer schneller.

Aber es ist doch berechtigt, dass ich mich aufrege, vor allem, wenn ich mich in der Sache ja immer korrekt verhalten habe. Wer schuld hat, muss auch Konsequenzen spüren. Oder?

Davon mal abgesehen, dass viele Dinge in unserer Welt viel zu komplex sind, als dass ich schnell und klar einen Schuldigen benennen kann, ist Streit und Schimpfen in Krisenzeiten keine gute Idee. Ich kann zwar über den richtigen Weg diskutieren, aber je mehr Streit es dabei gibt, desto länger dauert es und desto schlechter wird das Ergebnis für alle, wenn es überhaupt eines gibt. Statt sachlich und vernünftig abzuwägen, bleiben höchstens Zugeständnisse. Dabei wäre gerade bei schwierigen Aufgaben Zusammenhalt wichtig.

Aber können die tiefen Gräben überhaupt überwunden werden? Kann das funktionieren?

Es gab einen Graben, der war noch viel tiefer und unüberwindlicher als alle menschlichen Gräben es je sein können. Ein Graben zwischen Gott und den Menschen, gegraben, weil die Menschen wie Gott sein wollten, weil sie dem einen Gebot nicht folgen wollten, dass er ihnen gab. Und immer wieder bestätigt, weil die Menschen, die Gott erwählte, ihn und seine Gebote abwiesen, selbst wenn sie ihnen nützen sollten.

Gott war nicht schuld an diesem Graben. Und es ist schon überraschend genug, dass er die Menschen überhaupt noch am Leben erhielt und auch jenseits des Grabens weiter unterstützte. Aber den Graben zu überbrücken, dazu hatte er eigentlich keinen Grund.

Hätte Gott so gehandelt wie wir und darauf beharrt, dass zuerst die Menschen von ihrer Sturheit abrücken sollten, dass sie sich entschuldigen sollten und seine Position einnehmen sollten, oder hätte er darauf bestanden, dass die Menschen erst ihre Schuld begleichen und für neue Kontakte erstmal in Vorkasse gehen, dann wäre es wohl nie was geworden mit dieser Brücke über den unüberwindlichen Graben.

Doch Gott macht nicht nur den ersten Schritt, sondern er baut die Brücke selbst, ganz allein, und gibt dafür alles an seiner Position auf. Er geht ganz aus sich heraus. Er legt seine Göttlichkeit ab, obwohl er weiß, dass die Konsequenzen auch wieder Zurückweisung und Leiden bedeuten.
Er der Allmächtige wird wie ein Sklave, er erniedrigt sich mehr als die Menschen es jemals könnten.

Sein Leben, Sterben und Auferstehen in Jesus Christus reicht aus um die Brücke der Versöhnung zu bauen. Gott versöhnt ganz allein. Er erwartet nur eine einzige Sache von den Menschen: dass sie sich dieser Brücke (Jesus Christus) zuwenden und über sie zurückkommen zu ihm.

Aber das heißt eben auch sich dem Trennenden zu stellen. Die Hinwendung zu Versöhnung offenbart den Streit und die Fehler. Und die Hinwendung zur Versöhnung bedeutet auch immer noch meine Position aufzugeben, auch wenn jemand anderes das auch schon getan hat. Damit wirklich ein Neuanfang geschehen kann.
Werden die Menschen das tun?
Wirst du das tun? Werde ich das tun?

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