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Gedanken zum Sonntag – 07.03.21.21 – 3. Fastensonntag – Joh 2,13-25

Verteidigung

Alleine für diese Geschichte, die wir im heutigen Evangelium hören, hätte man Jesus schon anklagen können. Gewalt gegen Händler im Tempel. Sachbeschädigung, Körperverletzung. Vielleicht noch ein paar Beleidigungen. Heute wäre er wohl vor Gericht gelandet, in den Medien wohl auch und irgendwer hätte davon sicher ein Video ins Netz gestellt - „Religiöser Fanatiker rastet aus“ oder so… Im schlimmsten Fall würde man an Terrorismus denken.
Ein gutes Licht wirft Jesu Verhalten auf jeden Fall nicht auf ihn.

Warum diese Gewalt? Gerade von Jesus unverständlich. Predigte er nicht Frieden und Liebe? Aufstand wollte er doch nicht? Wie passt das zu seinem sonstigen Verhalten?

Der Verkauf von Tieren in der Kirche wäre heute zwar wohl auch nicht gern gesehen, aber andererseits ging es immerhin um Opfertiere, und ihr Verkauf folgte einer gewissen Logik. Und wir können heute ja auch in Kirchen einiges kaufen oder gegen Spende erwerben, was man so im Gottesdienst verwenden kann. Und in vielen Kirchen gibt es auch Andenken, die deutlich weniger mit dem Ritus zu tun haben als ein Opfertier.

Auch die Geldwechsler im Tempel haben ihren guten Grund, konnte man doch die Tempelsteuer nur in jüdischem Geld bezahlen. Das war aber nicht das normale Zahlungsmittel, denn da man Teil des Römischen Reiches war, verwendete man auch in Jerusalem gewöhnlich die römischen Münzen. Eine Wechselstube gleich im Tempel war doch nur praktisch.

Das würden wir heute doch auch nicht anders sehen. Einen Klingelbeutel mit Kartenzahlung fänden einige ja auch ziemlich praktisch.
Also alles kein Grund sich aufzuregen.

Oder?

Was Jesus erlebt ist, dass die Wirtschaft sich immer weiter ausdehnt, und immer mehr Macht beansprucht. Damit die Menschen leichter konsumieren können, und damit dann auch der Umsatz steigt, werden andere wichtige Dinge hinten angestellt. Es war ja nicht so, als hätten die Händler nicht andere gute Verkaufsplätze. Nur dieser war halt noch ein bisschen besser.

Eigentlich ist der Tempel das Haus Gottes. Nicht im übertragenen Sinne. Ein gläubiger Jude (und ein solcher ist Jesus) glaubte, dass Gott wirklich im Allerheiligsten wohnen würde. Er ist dort anwesend. So wie Gott für uns im Allerheiligsten anwesend ist.
Bestimmte Bereiche des Tempels durften normalerweise nicht einmal betreten werden.

Doch selbst in diese heiligste Sphäre, dringt die profane Logik von Kaufen und Verkaufen, und die Gier nach immer größerem Profit. Ohne Rücksicht auf den Wert des Heiligen.

So gesehen kann ich Jesu Wut verstehen. Aus seiner Sicht gilt es wichtige Werte zu verteidigen:
die Ehrfurcht vor Gott und dem Heiligen, die religiösen Riten, die Ruhe für das Gebet,
und dass es Räume gibt, die nicht von den Regeln der Welt, von Gier, Machtstreben und Rücksichtlosigkeit der Geschäftswelt bestimmt werden.

Jesus verteidigt, was ihm wichtig ist auf extreme Weise, die ich nicht gut heißen will, zu denen er aber berechtigt ist, denn er ist ja Gott, dem dieses Haus gehört - auch wenn das niemand im Tempel erkennen kann.
Jesus verteidigt, was ihm wichtig ist auf extreme Weise, die ein Baustein in seiner Anklage werden wird. Er wird seine Werte letztlich bis aufs Blut verteidigen müssen - sein eigenes Blut. Jesus weiß das und nimmt es in Kauf, so überzeugt ist er.

Jesu Verhalten ist hier extrem in der Wut, wie es später extrem im Leiden ist. Es ist kein Verhalten, das man zur Nachahmung empfehlen könnte. Es erschreckt und doch fasziniert es auch.
Jesu Verhalten ist gerechtfertigt - weil er Gott ist.
Aber was rechtfertigt sonst eine Verteidigung bis aufs Blut?

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