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Gedanken zum Sonntag – 2. Sonntag der Osterzeit – 11.04.21 – Joh 20,19-31

Versicherung

Ich kann mir heute über mehr Dinge Informationen besorgen als jemals zuvor. Es reicht, wenn ich etwas im Internet frage oder suche, und ich finde viele Antworten. Bilder gehen in Echtzeit um die ganze Welt, und mit einem Videoanruf sehe ich auch, wie mein Gegenüber aussieht, dass es wirklich die Person ist, mit der ich glaube zu sprechen.

Jedoch ist es etwas mühsamer, mich zu versichern, dass die Informationen wirklich stimmen und auch über andere Menschen kann ich mir nie so ganz sicher sein. Videos lassen sich manipulieren, den Kopf einer Person auf den Körper einer anderen setzen? Kein Problem! Bildern kann man sowieso schon lange nicht mehr trauen. Und – auch wenn es manchmal nervt – gut, dass ich mich bei Online-Banking und Co. gleich mit mehreren Faktoren absichern muss.

Denn ich will ja Sicherheit haben: bei dem was ich weiß, und bei dem was ich tue. Und ich glaube, da gibt es viele Menschen, die auf Absicherung setzen, gerade im Internet. Ist ja auch sinnvoll. Versicherter Versand? Nur her damit! Man will ja auch sein Geld nicht in den Sand setzen.

Aber es gibt auch Dinge da kann ich mich nicht in alle Richtungen absichern; da kann ich nicht sagen, ob jemand die Wahrheit sagt oder nicht. Da werde ich mir vielleicht nie sicher sein. Was die Zukunft bringt - Wie Gott ist - Was ein anderer Mensch wirklich fühlt - Was in der Vergangenheit war, die ich selbst nicht erlebt habe – eigentlich nicht einmal, was in meiner eigenen Vergangenheit war, denn unser Gehirn kann Erinnerungen umformen.

Moment: Kann ich mir dann eigentlich irgendwo sicher sein? An irgendwas glauben? Auf etwas Vertrauen? Oder besser immer zweifeln?

Thomas will sich auch sicher sein, sich absichern, dass Jesus lebt. Seine Zweifel lassen ihn nicht glauben. Ihm reicht das Wort der anderen nicht. Er will sehen. Er will fühlen, denn nicht mal seinen Augen scheint er zu trauen.

Als er Jesus eine Woche nach Ostern dann wirklich sehen und fühlen darf, fühlt sich Thomas sich endlich sicher genug, zu glauben. Das ist in Ordnung so.
Aber für Jesus ist es besser, ist es selig, wenn man nicht sieht und doch glaubt.

Vielleicht ist mit diesem selig sein nicht gemeint, dass diese Menschen besonders tolle Gläubige sind und deswegen einen besonderen Status bekommen, dass sie besonders fromm sind.
Vielleicht sind sie selig, sind sie glücklich, weil sie in ihrem Leben nicht immer zweifeln müssen, nicht damit beschäftigt sind sich ständig zu versichern, wo es keine letzte Versicherung geben kann, sondern weil sie vertrauen und einfach leben.
Vielleicht ein bisschen naiv. Vielleicht keine Haltung für jede Situation.
Aber ist nicht Vertrauen ein viel schöneres Gefühl als Misstrauen?

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