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Gedanken zu Epiphanie - 06.01.21 - Mt 2,1-12

Da ist ein König. Er wohnt in einem Palast. Anders als vielen seiner Untertanen geht es ihm sehr gut. Seine Schatzkammer ist gefüllt und seine Speisekammer auch. Die Römer haben ihm seine Macht gelassen.
Und der König ist entschlossen diese Macht zu nutzen. Für sich.

Und doch hat er Angst. Große Angst, dass seine Macht verloren gehen könnte. Solche Angst, dass er vor Gewalt nicht zurückschreckt. Entschlossen zu töten, um seine Interessen zu schützen.
Er hat Angst - sogar vor einem kleinen Kind.

Da ist ein König. Nicht in einem Palast, sondern in einer Futterkrippe. Wie viele einfache Menschen im Land, kommen seine Eltern schon so über die Runden. Es darf halt keiner krank werden. Der Absturz in die absolute Armut ist ganz nah. Und Macht hat dieser König keine - er ist ja noch ein Kind.

Und doch ist dieses Kind der allmächtige Gott, der sich ganz klein gemacht hat und Mensch geworden. Dieser König hat keine Angst, nicht um seine Macht und nicht um sich selbst. Um alle zu retten schreckt er nicht davor zurück, sich zu erniedrigen. Selbst wenn das Leid und Tod bedeutet.
Er sorgt sich - selbst um das kleinste Kind.

Da bin ich, kein König, nicht einmal Regierungschef von irgendwas. Ich bin nicht wirklich reich und auch nicht wirklich arm, und mächtig fühle ich mich auch nicht wirklich, jedenfalls politisch, obwohl da kein Herodes an der Staatsspitze sitzt.

Und doch habe ich mehr Reichtum, mehr Macht als sich die meisten Menschen zur Zeit Jesu hätten vorstellen können - und auch mehr als die meisten Menschen heute haben.

Ich habe Macht, dadurch dass ich entscheide, wie und was ich konsumiere, ob und mit wem ich teile, auf welche Missstände ich schaue, welche ich anspreche und welche ich leugne, wem ich helfe und wie ich die Menschen in meinem Umfeld, vor allem Kinder, beeinflusse - wie ich anderen einn Vorbild bin.

Wie gehe ich mit meiner Macht um - eher ängstlich bedacht sie zu erhalten, möglichst viel für mich rauszuschlagen? Oder habe ich keine Angst, mich klein zu machen für andere?

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