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Gedanken zu Christi Himmelfahrt – 13.05.21 – Mk 16,15-20

Verpflichtung

Es ist wirklich keine einfache Aufgabe, die die Jünger da bekommen, kurz bevor Jesus sie verlässt: in die ganze Welt ausschwärmen und der ganzen Schöpfung das Evangelium verkünden? Wie soll das ohne Jesus werden?

Mit einem Zugpferd wie Jesus war das viel einfacher. Der fand immer die richtigen Worte, der konnte Wunder tun. Das hat schon überzeugt. Aber ob das die Jünger alleine schaffen?

Und selbst wenn das klappt. Schon anderen Völkern mit anderen Sprachen das Evangelium zu verkünden wird eine Herausforderung werden, aber wenigstens könnte man mit Übersetzern arbeiten. Aber der ganzen Schöpfung? - Etwa auch Tieren und Pflanzen? Wie soll das überhaupt gehen?

Wie kann Jesus jetzt nur in den Himmel gehen, wo die eigentliche Arbeit erst beginnt?
Die Jünger verpflichten, aber sich selbst vor der Pflicht drücken oder wie?

Doch auch Jesus geht eine Verpflichtung ein. Nicht mehr nur für die Jünger, sondern für alle, die seine Botschaft leben und verkünden. Im Himmel, zur Rechten Gottes, wir er für sie alle zuständig sein. Er verspricht wahre Superkräfte: Dämonen austreiben, Fremdsprachen können, Kranke heilen und selbst vor tödlichem Gift gefeit sein. Nicht schlecht.

Glaubt man den Legenden der großen Heiligen, dann hat das auch geklappt. Nicht nur konnten sie den Tieren predigen, sondern sie überlebten auch Mordanschläge und taten allerlei Wunder.
Aber heute? Wie sehr kann ich diesen Legenden eigentlich vertrauen?
Gilt Gottes Verpflichtung uns gegenüber auch noch? Oder überhaupt?
Und muss ich dann die der Jünger erfüllen, nur weil ich ihnen nachfolge?

Eigentlich sah es ja selbst für die Jünger damals nicht so rosig aus. Sie starben doch auch meist nicht friedlich, sondern während der ersten Christenverfolgung. Nichts mit Superkräften.

Der Text des heutigen Evangeliums ist der zweite Schluss des Markusevangeliums. Eigentlich endete es mit dem leeren Grab. Ein offener Schluss.
Der zweite Schluss wurde in einer Zeit verfasst, in der man als Christ eigentlich hätte denken können, dass alles nicht so gut geklappt hatte: alle Zeugen der Auferstehung und Apostel waren tot, man wurde immer mal wieder verfolgt und Christus war immer noch nicht wiedergekommen.

Und dennoch schrieb ausgerechnet in dieser Zeit jemand ein Glaubenszeugnis, dass mit Gottes Hilfe Übermenschliches gelingt. Was muss einem Menschen passiert sein, was muss ein Mensch erlebt haben, der solch einen Text verfasst? Mit soviel Hoffnung, Glauben und Vertrauen darauf, dass alles so eintraf wie Gott es sagte.

Es ist ein Zeugnis, dass nicht nur die Jünger, sondern auch Gott ihren Teil der Verpflichtung erfüllt haben. Und wohl auch schon davon, dass Menschen nach den Jüngern erfahren haben, dass auf Gott Verlass ist.
Vielleicht waren es Wunder, vielleicht besondere Fähigkeiten, vielleicht sind es auch nur Bilder für das was unglaublich, übermenschlich erscheint und doch möglich wurde.

Wir haben die Aufgabe der Jünger übernommen, das Evangelium zu leben und zu verkünden. Und es ist nicht unbedingt leichter geworden.
Gerade im letzten Jahr haben wir aber erfahren, Nächstenliebe, Aufgaben, bei denen ich mich um andere sorge und kümmere, sind nicht ungefährlich. Und manche Aufgaben erscheinen unlösbar. Und doch bin ich immer wieder erstaunt gewesen, wie viel Menschen im letzten Jahr haben leisten können. Und diese Leistungen waren genauso wunderbar, wie das was Jesus versprochen hat.

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